Artikel: „Pestizid schädigt Gehirne Ungeborener“ – Update

Landwirt Fürstenau aus Jakobshagen reagierte folgendermaßen auf diese Meldung:

„…gut das wir das Zeug nicht in der Landwirtschaft einsetzen. Ist nach meiner Meinung kein Mittel damit zugelassen.“

Das machte mich neugierig, denn im Artikel wird behauptet, es sei in Deutschland erhältlich. Eine Schnellrecherche ergab: Laut Wikipedia wird es als PESTANAL vermarktet. Suchmaschinen spucken aber vorwiegend nicht-deutsche Seiten dazu aus.

Fürstenau in einer nachfolgenden Mail: „so wie ich das gesehen habe gibt es Mittel im Obstbau und im baumarkt für den Hobbygärtner! Wie gesagt, in der Landwirtschaft kenne ich keine Mittel.“

Ich habe an den Spiegel Autor geschrieben, mit der Bitte, die Aussage „in Deutschland erhältlich“ zu belegen. Die Antwort steht noch aus.

Bitte  auch den Kommentar beachten (siehe unterhalb des Artikels). (Tom)

Quelle: Spiegel Online

01. Mai 2012, 16:04 Uhr

Agrargift

Pestizid schädigt Gehirne Ungeborener

Es tötet Ameisen, Fliegen, Motten – und greift offenbar die Gehirne von Kindern an: Experten warnen eindringlich vor Chlorpyrifos. Das Pestizid, das auch in Deutschland verkauft wird, wirkt laut einer neuen Studie schon in verblüffend geringen Mengen auf Ungeborene.

Ein auch in Deutschland gängiges Schädlingsbekämpfungsmittel verursacht bleibende Schäden am Gehirn von Kindern im Mutterleib. Selbst bisher als ungiftig geltende Mengen des Insektizids Chlorpyrifos greifen in die Entwicklung der Ungeborenen ein. Sie lassen wichtige Bereiche der Großhirnrinde schrumpfen und führen später zu spürbaren Einbußen in den geistigen Leistungen der Kinder, wie US-Forscher im Wissenschaftsmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten.

Bereits zuvor hatten Studien Hinweise darauf gefunden, dass eine Belastung mit Pestiziden aus der Gruppe der Organophosphate die geistige Entwicklung von Kindern hemmen könnte. Welche spezifischen Veränderungen der Hirnstrukturen diese Mittel verursachen, habe man aber erst jetzt nachgewiesen, erklären die Forscher. In ihrer Studie hatten die Wissenschaftler 40 New Yorker Kinder über sechs bis elf Jahre hinweg untersucht, die im Mutterleib verschieden stark mit dem Insektizid Chlorpyrifos belastet waren. Die Zahl der untersuchten Kinder sei zwar klein, geben die Forscher zu. Dies liege jedoch daran, dass sie alle Teilnehmer ausgeschlossen hätten, die im Mutterleib stärker mit zwei anderen bekannten Schadstoffen belastet waren.

„Unsere Ergebnisse sind besorgniserregend“, schreiben Virginia Rauh von der Columbia University in New York und ihre Kollegen. Denn das Insektizid Chlorpyrifos werde in der Landwirtschaft weltweit noch immer häufig eingesetzt. In Deutschland wird Chlorpyrifos vor allem im Obst- und Weinbau verwendet, ist aber auch in frei erhältlichen Mitteln zur Bekämpfung von Schädlingen in Haus und Garten enthalten. „So einen Befund muss man daher schon ernst nehmen“, kommentierte Hans Drexler, Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozial-, und Umweltmedizin der Universität Erlangen. Die Ergebnisse seien biologisch plausibel.

Viele schwangere Frauen und kleine Kinder in ländlichen Gebieten seien hohen Dosen dieses Mittels ausgesetzt, warnen Rauh und ihre Kollegen. Wahrscheinlich sei die Belastung bei ihnen sogar noch weit höher als bei den in dieser Studie untersuchten Stadtkindern. Über Pestizidreste auf landwirtschaftlichen Produkten gelange das schädliche Mittel aber auch in die Nahrung der breiten Bevölkerung. Die Ergebnisse hätten daher große Bedeutung für die öffentliche Gesundheit.

Die bisher geltenden Grenzwerte, die nur auf der direkten Giftwirkung des Chlorpyrifos basieren, sind nach Ansicht der Wissenschaftler nicht ausreichend, um Kinder vor diesen Langzeitfolgen des Insektizids zu schützen.

Signifikante Anomalien in wichtigen Gehirnbereichen

„Wir haben bei den stärker belasteten Kindern signifikante Anomalien in der Hirnoberfläche gefunden“, berichten die Wissenschaftler. Besonders betroffen seien Gehirnregionen, die für Aufmerksamkeit, Emotionen, Impulskontrolle und soziale Beziehungen zuständig seien. Die Hirnrinde dieser Gebiete sei geschrumpft, die darunter liegende weiße Substanz dagegen erweitert.

Zusätzlich veränderte das Insektizid auch geschlechtstypische Merkmale des Gehirns bei den Kindern, wie Rauh und ihre Kollegen berichten. Normalerweise sind bestimmte Bereiche im männlichen Gehirn stärker ausgeprägt, andere dagegen kleiner als beim weiblichen. „Diese Geschlechtsunterschiede waren bei den stärker belasteten Kindern genau umgekehrt ausgebildet“, so die Forscher. Das stimme mit Tierstudien überein, in denen das Chlorpyrifos bei Nagern die normalen Geschlechtsdifferenzen im Verhalten, Lernen und Gedächtnis aufhob.

Für ihre Studie hatten die Forscher die Entwicklung von 40 Kindern von vor der Geburt bis zum sechsten, teilweise bis zum elften Lebensjahr verfolgt. 20 von ihnen waren im Mutterleib mit mehr als 4,39 Pikogramm Chlorpyrifos pro Gramm Blutserum belastet, die anderen 20 Kinder mit deutlich geringeren Mengen.

Die Blutwerte bei den untersuchten Kindern seien damit eher noch unterdurchschnittlich, betonen die Wissenschaftler. Proben aus einer Blutbank in Cincinnati aus der gleichen Zeit hätten durchschnittliche Belastungen von 9,9 Pikogramm pro Gramm Serum ergeben. Das sei rund doppelt so viel wie bei den meisten Kindern aus der Studie. Alle Kinder wurden im Laufe der Studie regelmäßig Standardtests ihrer geistigen Leistungen unterzogen. Außerdem analysierten die Forscher ihre Gehirnstruktur mit Hilfe der Magnetresonanztomografie.

mbe/dapd

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Ein Kommentar

  1. Das ist nun die 567359te Bestätigung von Zusammenhängen, die seit langer Zeit bekannt sind und von denen weite Teile der Bevölkerung ewig nichts wissen wollten. Es war ja so viel einfacher irgendwelchen Versprechungen zu glauben und sich in Sicherheit zu wiegen. Und genauso leicht ist es, auf vermeintliche Außenseiter und Feinde der Gesellschaft mit Fingern zu zeigen und sie im günstigsten Fall als Spinner zu diffamieren.

    Es gibt Zeit, dass viele, am besten alle erwachen und verstehen, dass es bei Fragen, bei denen es um Leben und Tod geht, keine Kompromisse geben kann. Zu verstehen, dass es ein bisschen weniger Krieg nicht gibt. Wir müssen raus aus diesen Leben verachtenden Strukturen und zwar überall da, wo sie aktuell herrschen. Ich persönlich empfinde die angekündigten Spritztermine von Herrn Fürstenau als Verhöhnung einerseits und als den Wunsch der direkten Anwohner, sich selbst zu schützen in der irrigen Annahme, wenn ich nicht in der Nähe bin, wenn gespritzt wird, dann ist es nicht so schlimm. Tatsächlich stimmt das nur sehr bedingt, denn erstens lässt man so gewähren und betrügt sich gleichzeitig selbst. Tatsächlich sind diese Gifte überall in der Nahrungskette präsent und entfalten ihre fatale Wirkung. Der kausale Zusammenhang erschließt sich dabei nicht immer und selbst da, wo der eindeutig ist, wird von den Verursachern alles getan, um diese in Abrede zu stellen und die Menschen zu täuschen.

    Wir müssen raus aus den Strukturen, die auf Zerstörung um des kurzfristigen Profits willen aufbauen. Wir Verbraucher haben dazu alle Macht. Besinnen wir uns auf die wahren Werte. Lassen wir uns unsere Nahrung wieder mehr wert sein. Kaufen wir bei Erzeugern, die keinen Krieg gegen die Welt führen. Beziehen wir unseren Strom von Produzenten, die keinen Krieg gegen die Welt führen. Wenn die Produkte gleich welcher Art, also auch alle möglichen Konsumgüter, die die schleichende, immer schneller fortschreitende Zerstörung unseres Planeten, unserer Lebensgrundlage als Basis haben, nicht mehr verkauft, nicht mehr abgesetzt werden können, werden sie auch nicht mehr produziert. Und damit liegt letztlich die Verantwortung auch, ja, sogar zum größten Teil bei uns selbst.

    Wenn wir alle bereit sind, die Konsequenzen aus unserem Handeln zu ziehen. Wenn wir begreifen und auf neue, verantwortliche Weise handeln, dann wird es eine neue, bessere Welt geben, nach der wir uns alle sehnen. Auf uns kommt es an. Letztlich ist der Fingerzeig auf die „bösen“ Produzenten immer damit verbunden, dass vier Finger auf uns selbst zeigen. Also, lasst uns dafür sorgen, dass der Krieg aufhört. Lasst uns Frieden schließen mit der Welt, mit den anderen – aber vor allem mit uns selbst.

    Liebe Grüße zum besten des Ganzen

    Bringewald

    Antwort

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