Intensive Landwirtschaft lässt Grundwasserspiegel sinken / Gentech-Pflanzen = mehr Pestizid-Einsatz

Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1926574/

FORSCHUNG AKTUELL

19.11.2012 · 16:35 Uhr
In der indischen Landwirtschaft wird sehr viel Grundwasser zur Bewässerung genutzt.  (Bild: AP) In der indischen Landwirtschaft wird sehr viel Grundwasser zur Bewässerung genutzt. (Bild: AP)

„Man kann ein Limit setzen, wie viel gepumpt werden darf“

Umweltphysiker über die zu starke Nutzung von Grundwasser-Reservoirs

Umwelt.- Fast überall auf der Welt zapft die Landwirtschaft vorhandenes Grundwasser an – allerdings verschieden stark. Der Umweltphysiker Werner Aeschbach-Hertig hat das Phänomen untersucht und erläutert im Interview, wie Grundwasservorräte nachhaltiger genutzt und stabilisiert werden könnten.

Uli Blumenthal: Die intensive Landwirtschaft lässt die Grundwasserspiegel in vielen Regionen sinken – zum Teil mit globalen Folgen. Das Schwinden des größten Süßwasserreservoirs der Erde gefährde die künftige Produktion von Lebensmitteln und lasse den Meeresspiegel ansteigen, so steht es heute im Fachjournal „Nature Geoscience“. Einer der Autoren ist Professor Werner Aeschbach-Hertig, Umweltphysiker an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Ihn habe ich vor der Sendung gefragt, in welchen Ländern die Nutzung des Grundwasserspeichers besonders intensiv ist.

Werner Aeschbach-Hertig: Am intensivsten ist es zurzeit in Indien und der Umgebung: Pakistan, Bangladesch sowie in Teilen von China, aber auch in den USA und Mexiko gibt es starke Grundwassernutzungen und -absenkungen.

Blumenthal: Was sind die Ursachen für diese starke Nutzung der Grundwasserspeicher?

Aeschbach-Hertig: Der Hauptgrund ist Nutzung für Bewässerungslandwirtschaft. Also da gehen die ganz großen Wassermengen hin. Und es tritt in den Gegenden auf, wo intensiv mit Bewässerung gearbeitet wird, intensive Landwirtschaft betrieben wird.

Blumenthal: Aber das betrifft ja zum Beispiel – Sie haben es kurz angesprochen – auch die USA. Die Diskussion in diesem Jahr um Maisfelder, die alle verdorrt sind, ist ja zusammenzubringen auch mit Grundwasserspeichern, die nicht mehr oder gar nicht mehr gefüllt sind.

Aeschbach-Hertig: Ja, in gewissen Gegenden – den High Plains und auch in Kalifornien – gab es eben schon über die letzten Jahrzehnte deutliche Absenkungen der Grundwasserspiegel, so dass es dort auch immer schwieriger wird, sozusagen noch zusätzliches Grundwasser zu nutzen.

Blumenthal: Erleben wir gegenwärtig eine vorrangig negative Bilanz bei der Nutzung der Grundwasserspeicher – und wie lange braucht es, um einen solchen wieder aufzufüllen?

Aeschbach-Hertig: Grundsätzlich muss man sagen: Grundwasser – global gesehen – ist eigentlich ein sehr großer Wasserspeicher, mit Abstand der größte. Es gibt viel mehr Grundwasser als in Seen und Flüssen. Aber die Erneuerung ist eben sehr viel langsamer. Die Fließgeschwindigkeiten von Grundwasser muss man sich in einer Gegend von einem Meter pro Tag vielleicht oder so etwas vorstellen. Das heißt, da kann einfach nicht so viel so schnell nachfließen, wie es zum Teil genutzt wird.

Blumenthal: Wie lassen sich nun diese Grundwasservorräte – man wird wahrscheinlich dann nach regionalen Lösungen suchen – stabilisieren? Lässt sich das durch technische Verfahren realisieren oder müssen andere Dinge eingeleitet werden?

Aeschbach-Hertig: Ja, es ist (…) breiten Ansatz. Also es gibt natürlich einige technische Dinge, die man machen kann und auch soll, die aber oft nicht ausreichen. Das ist dann so die Erfahrung, die man gemacht hat. Eine Möglichkeit ist künstliche Grundwasseranreicherung, also künstliche Infiltration von Wasser. Das wird zum Beispiel in Kalifornien auch intensiv gemacht – reicht aber demnach nicht in Trockenphasen, dann geht trotzdem die Bilanz … . Eine andere technische Maßnahme wäre Wirklich, Wasser, also Oberflächenwasser dann in diese Gebiet, wo es eben fehlt, zu bringen – wird auch in Kalifornien gemacht, wird in China jetzt auch in großem Stil geplant…

Blumenthal: Aber dann stelle ich mir das an einem konkreten Beispiel vor: In Indien, da gibt es, sagen wir Millionen oder Hunderttausende Nutzer, die mit ihren jeweiligen Brunnen dieses Grundwasserreservoir anzapfen. Wie wollen sie dort eine Lösung herbeiführen, dass der Speicher nicht weiter einfach nur leergepumpt wird, sondern sich wieder füllen kann?

Aeschbach-Hertig: Das ist genau so ein schwieriges Problem, wo man jetzt eben zum Beispiel auch mit legalen, also rechtlichen Mitteln nicht unbedingt zum Ziel kommt. Also man kann ein Limit setzen, wie viel gepumpt werden darf. Aber es sind wirklich Millionen von Kleinbauern, die da das Grundwasser nutzen. Und das kann man ja gar nicht wirklich kontrollieren. Ein interessanter Ansatz in Indien scheint mir über die Energie zu gehen. Also dieses Grundwasserpumpen ist nur möglich durch die Verfügbarkeit von Strom für elektrische Pumpen. Und der ist dort für die Bauern zum Teil kostenfrei oder sehr stark subventioniert. Und da müsste man über die Kosten nachdenken. Zum Teil wird auch wirklich Bereitstellung von Elektrizität rationiert in Indien, um einfach das Pumpen einzuschränken. Ganz wichtig scheint mir, dass man eben regional, dort, wo das Problem auftritt, die ganzen Beteiligten Personen an einen Tisch bringt sozusagen – die Landwirte, die großen Farmer, die eben sehr stark Wasser verbrauchen, die Wasserbehörden natürlich und so weiter. Dass man also eine gemeinsame Strategie entwickelt, sich ein Ziel setzt und das dann auch über die Zeit eben überprüft, ob das auch eingehalten werden kann. Also man kann mit Grundwassermodellen dann auch Vorhersagen machen: Wenn man so viel pumpt, wird sich der Wasserspiel so entwickeln. Und das muss man natürlich dann auch überprüfen, ob das wirklich eingehalten wird. Und das ist wahrscheinlich die beste Strategie. Das ist vielleicht auch wiederum nicht überall umsetzbar, wenn es wirklich eben so viele kleine Landwirte sind, dann wird das natürlich auch schwierig.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1926444/

19.11.2012 · 16:35 Uhr
Der Herbizid-Einsatz auf den Gentechnik-Flächen ist mittlerweile größer als auf Äckern mit konventionellen Sorten. (Bild: picture alliance / dpa / Patrick Pleul) Der Herbizid-Einsatz auf den Gentechnik-Flächen ist mittlerweile größer als auf Äckern mit konventionellen Sorten. (Bild: picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Mehr Gift gegen Resistenzen

Anbau gentechnisch behandelter Pflanzen in den USA führt zu mehr Pestizid-Einsatz

Von Lucian Haas

Botanik.- Seit 16 Jahren werden in den USA gentechnisch veränderte Mais-, Soja- und Baumwollsorten kommerziell angebaut. Viele Saatguthersteller geben an, dass der Einsatz transgener Pflanzen den Pestizideinsatz reduziert. Doch laut einer neuen Studie sieht die Realität mittlerweile anders aus.

Charles Benbrook war selbst überrascht, als er die Zahlen sah. Der Pflanzenschutzexperte von der Washington State University hat untersucht, wie sich der Pestizideinsatz auf den Flächen mit Gen-Mais, Gen-Soja und Gen-Baumwolle in den USA seit dem Start des Anbaus transgener Sorten 1996 entwickelt hat. Die Statistiken des US-Agrarministeriums dazu sind lückenhaft. Fehlende Daten ergänzte er deshalb auf Basis von Hochrechnungen mit Simulationsmodellen. Die Ergebnisse, im Fachmagazin „Environmental Sciences Europe“ erschienen, kratzen am Image einer umweltfreundlichen Grünen Gentechnik.

„Es gab einen kleinen Rückgang im Herbizid-Einsatz in den ersten vier oder fünf Jahren. Aber seit 2000 haben Veränderungen in den Unkrautgemeinschaften dazu geführt, dass der Herbizid-Einsatz auf den Gentechnik-Flächen mittlerweile größer ist als auf Äckern mit konventionellen Sorten. Und der Abstand wächst jedes Jahr.“

Allein 2011 seien in den USA 35.000 Tonnen mehr Unkrautvernichtungsmittel auf den Flächen mit transgenen Sorten ausgebracht worden als noch 2010, berichtet Charles Benbrook. Der Zuwachs sei mehr als doppelt so groß wie alle Einsparungen zwischen 1996 und 2002 zusammen. Als Triebfeder für diese Entwicklung nennt er den viel zu sorglosen, regelmäßigen Einsatz des Herbizids Glyphosat auf den Feldern. Glyphosat tötet normalerweise alle Pflanzen ab, bis auf die Feldfrüchte, die dank der Gentechnik dagegen immun sind. Mittlerweile haben in den USA aber auch schon 22 Unkrautarten auf natürliche Weise eine Resistenz entwickelt.

„Wenn die Farmer nicht sofort ihre Pflanzenschutzstrategien anpassen, werden sie immer größere Probleme mit dem Management glyphosat-resistenter Unkräuter bekommen. Die Verbreitung dieser Pflanzen auf den Feldern zwingt sie dazu, zusätzliche Herbizide einzusetzen, was die Kosten steigert.“

In einigen Regionen bereiten die glyphosat-resistenten Unkräuter den Farmern schon so große Probleme, dass sich die Bewirtschaftung der Felder kaum noch lohnt. Die Hersteller der transgenen Sorten setzen dennoch weiter auf das gleiche Rezept gegen die Unkräuter: Totspritzen – wenn nötig, mit zusätzlichen Wirkstoffen. Die Firma Dow AgroSciences hat beim US-Agrarministerium die Zulassung von neuen transgenen Maissorten beantragt, die neben Glyphosat auch gegen andere breit wirkende Herbizide wie 2,4-D oder Dicamba resistent sind. Charles Benbrook warnt vor dieser Entwicklung – und das nicht nur, weil es auch schon erste Unkrautarten gibt, denen das Gift 2,4-D nichts mehr anhaben kann.

„Das ist eine wirklich gefährliche und grundsätzlich falsche Strategie. Denn die Herbizide, die bei diesen neuen multi-herbizid-resistenten Sorten zum Einsatz kommen, gehören zu älteren, gefährlicheren Wirkstoffklassen, die ein viel größeres Risiko für Umwelt und Gesundheit darstellen.“

Auch ein Trend bei den sogenannten Bt-Pflanzen macht Charles Benbrook Sorgen. Bt ist ein Toxin des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis. Transgene Bt-Sorten enthalten die zugehörigen Bakteriengene, bilden den Giftstoff in ihren Blättern und können damit Fraßschädlinge wie den Maisstengelbohrer abwehren. Zwar hat der Anbau von Bt-Mais und Bt-Baumwolle in den USA dazu geführt, dass die versprühten Insektizidmengen heute um 56.000 Tonnen unter den Werten liegen, die mit konventionellen Sorten zu erwarten wären. Allerdings enthalten immer mehr gentechnisch veränderte Sorten mehrere Bt-Gene. Beim sogenannten Smart-Stax-Mais von Monsanto zum Beispiel sind es sechs. Entsprechend hoch sind die Wirkstoffmengen in den Blättern.

„Der Smart-Stax-Mais bildet pro Hektar 4,2 Kilogramm Bt-Toxine. Für den Menschen stellen die Rückstände dieser Toxine in der Nahrung kein Risiko dar. Aber wir sollten das stärker beobachten, gerade mit Blick auf ökologische Folgen etwa für die Gemeinschaft der Bodenmikroben geht.“

Wie viel Bt-Toxin aus den Ernterückständen solcher Pflanzen im Boden freigesetzt wird, und wie sich das langfristig auf das Bodenleben auswirkt, ist bisher kaum erforscht.

 

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Aus Öko-Test: TV-Tipp / Leserbriefe

Leserbriefe zum Glyphosat-Thema in der Ökotest:

(Infos von Tom)

„Allestöter Roundup verbieten „

Wichtige Online Petition des Umweltinstitutes München!

Passt gut dazu: die aktuelle Ökotest.

ÖKO-TEST September 2012

Nach Gerswalde: Weiter so!

Hallo Leser/in,

dies wird der vorerst letzte Eintrag sein, den ich hier unterbringe. Wer Interesse hat, den Blog weiterzuführen (und der wird in Zukunft noch oft gebraucht), möchte sich bitte melden unter : .

Das Treffen der Initiative zur Vorstellung der Ergebnisse der Wasserproben durch BUND und NABU am 17.8.2012 in Gerswalde war spannend, aufregend und lehrreich.  Und gleichzeitig frustrierend. Es hat offensichtlich nichts genützt, daß eine junge Frau, von der ich nur den Vornamen weiß, einen Bauernverbandsfunktionär darüber aufklären mußte, wie das mit der Fruchtfolge genau funktioniert. Daß ein älterer Herr schimpft und brüllt, daß man ihm die Straße vor der Haustür mittels schwerem Gerät zur Biogasgewinnung kaputt fährt, aber niemand für diese Schäden aufkommen will. Es sind eben nicht nur die üblichen Öko-Fritzen und Berliner Möchtegern-Uckermärker, die hier auf ein Problem in der modernen Landwirtschaft hinweisen. Und trotz zitierter Studien, Untersuchungen, TV-Beiträgen und vor allem persönlicher Erfahrungen einiger Anwesender hält man das alles für maßlos überzogen. Halbwissen, vorsätzliche Täuschung etc pp. Im Grunde könnte mir das ganze Gezeter mittlerweile egal sein, denn ich weiß, die Natur holt sich ihr Terrain sowieso in ein paar Tausend Jahren wieder. Und wenn noch soviel Glyphosat den Acker runterfließt. Aber so ganz egal ist es mir eben nicht. Dafür gibt es mittlerweile zu viele Schauergeschichten zum Thema. Immerhin: Die Überwachung der Gewässer soll von Seiten des LELF nun regelmäßig erfolgen. Das haben wir erreicht. Die Hoffnung: Daß ideologiefrei nach vernünftigen, umweltgerechten Lösungen gesucht wird. Bis dahin müssen wir wohl weiter streiten. (Tom)

Hier ist die Info zur Gefährlichkeit von Glyphosat, die auf der Veranstaltung in Gerswalde verteilt wurde.

Protokoll des Abends von Beate Blahy.

Fazit und offener Brief an den Kreisbauernverband Uckermark und den Landesbauernverband von Sybilla Keitel.

Artikel in der Märkischen Oderzeitung zu den Probenergebnissen und zu unserer Initiative.

Zeitungsartikel im Uckermark Kurier zum Treffen.

Leserbrief von Tom Schweers dazu.

Zeitungsartikel des UK zu Vorwürfen des Landesbauernverbandes gegen BUND und NABU wegen der Wasserproben

Fazit und offener Brief an den Kreisbauernverband Uckermark und den Landesbauernverband von Sybilla Keitel.

Pressemitteilung von BUND und NABU zu den besorgniserregenden Ergebnissen der Wasserbeprobung in der Uckermark

Die komplette Mitteilung als pdf.

Hier ein Auszug daraus:

16. August 2012

Kleingewässer in Brandenburg stark mit Pestiziden belastet

Die Landesverbände Brandenburg des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) und des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)
stellten heute alarmierende Ergebnisse der Belastung von
Kleingewässern mit Pestiziden vor. Gemeinsam mit der Bürgerinitiative
„Verseuchte Felder in der Uckermark“ hatten die Umweltverbände
insgesamt elf Wasserproben von Feldsöllen in den Landkreisen
Oder-Spree und Uckermark auf Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln
untersuchen lassen.

Nur bei drei Gewässerproben konnten keine Rückstände der untersuchten
chemischen Verbindungen nachgewiesen werden. In sechs Fällen wurden
sogar Überschreitungen der Grenzwerte der Grundwasserrichtlinie bei
den untersuchten Substanzen festgestellt. Die Naturschutzverbände
fordern, dass die Landwirtschaft dafür sorgt, dass keine
Pestizidrückstände in das Grund- und Oberflächenwasser gelangen.

Bei einem Feldsoll bei Stabeshöhe in der Uckermark wurde ein
Biozidgehalt als Summe der untersuchten Stoffe von knapp 2,5
Mikrogramm je Liter bei einem Grenzwert von 0,5 Mikrogramm je Liter
festgestellt. Dort wurde in den Jahren 2008 bis 2011 stets Mais
angebaut gefolgt von Roggen im Jahr 2012. Die Bürgerinitiative
„Verseuchte Felder in der Uckermark“ hatte dieses Kleingewässer
bereits auf im vergangenen Jahr untersuchen lassen und Strafanzeige
wegen der erheblichen Grenzwertüberschreitungen gestellt. Am stärksten
waren die Grenzwertüberschreitungen bei AMPA, dem Hauptmetaboliten des
Breitbandherbizids Glyphosat. Hier wurden in Stabeshöhe das 19-fache,
in einem Kleingewässer zwischen Rosenow und Hardenbeck in der
Uckermark das 15-fache und im Rehpfuhl bei Fürstenwalde (Oder-Spree)
das 14-fache des Grenzwertes festgestellt.

Fr, 17.8.12: Treffen der Initiative in Gerswalde!!

18.00 Uhr in Gerswalde: Versammlung zur offiziellen Vorstellung der Ergebnisse der Wasserbeprobung!

Kommt zahlreich zur offiziellen Bekanntmachung der Ergebnisse der
Beprobung durch BUND und NABU. So wie es aussieht, haben sich die
Befürchtungen vielfach bestätigt.

Da das Thema Pestizide momentan durch Presseberichte und auch nationalen
wie internationalen Studien wie selten zuvor in den Focus gerückt ist,
ist jetzt die Gelegenheit günstig, vereint nach Lösungen und
Alternativen zu suchen. Und zwar mit allen Beteiligten. So haben wir
selbst schon fruchtbare und konstruktive Gespräche mit dem in Jakobshagen tätigen Landwirt führen können.

Anbei das Flugblatt zur Veranstaltung zum Ausdrucken, Auslegen und
Weitermailen.

Schaut Euch zur Vorbereitung den Glyphosat-Beitrag der Sendung Fakt an. Siehe vorhergehender Post.

 

Gruß
Tom, Sybilla, Gert

TV Beitrag: Glyphosat im Menschen angekommen? Update

Einige haben schön ferngesehen, dabei einen guten Beitrag zum Thema Glyphosat entdeckt und möchten den Link aus der Mediathek nun weitergeben.


Tragen wir Unkrautvernichtungsmittel in uns?

Glyphosat ist das meist benutzte Unkrautvernichtungsmittel der Welt und es könnte sein, dass es Menschen mittlerweile in sich tragen. Darauf deuten Studien der Uni Leipzig hin.

hier:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/fakt/tragen-wir-unkrautvernichtungsmittel-in-uns?documentId=11409024

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Auch 3sat berichte in seinem Magazin nano über dieses Thema:


Umstrittenes Herbizid
Forscher finden Pflanzengift in Mensch und Tier: „Es kann nicht sein, dass wir Gift spritzen, das wir Verbraucher essen, damit der Bauer es ein bisschen leichter hat“, sagt Anja Sobczak vom Umweltinstitut München e.V..

Hier zum Film in der 3sat-Mediathek.

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Und auch wichtig:


Pressemitteilung der Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm von Bündnis 90/Die Grünen

15. August 2012

Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel auch in Deutschland verbieten

Frankreich geht mit gutem Beispiel voran

Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Bündnis 90/Die Grünen) fordert ein Verbot von Neonicotinoiden auch in Deutschland.

Das Französische Agrarinstitut INRA hat nachgewiesen, dass die sogenannten Neonicotinoide das Orientierungssystem der Bienen massiv schädigen. Zudem schwächen diese Insektizide das Immunsystem der Bienen. Dadurch sind die Bienen anfälliger für Krankheitserreger. „Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier. Das massive Sterben von Bienenvölkern ist ein deutlicher Indikator dafür, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblichen ökologischen Schaden verursacht,“ erklärt Cornelia Behm. Sie befürchtet, dass neben den gut dokumentierten Bienenvölkern auch zahllose andere Organismen durch die Neonicotinoid-Nervengifte geschädigt werden. „Bündnis 90/Die Grünen fordern seit langem, dass bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln langfristige Folgen für Tiere untersucht werden müssen. Doch bislang hat die Bundesregierung tatenlos zugesehen. Ministerin Aigner sollte nun dem Beispiel Frankreichs folgen,“ fordert Behm.

Der französische Landwirtschaftsminister Stephane Le Foll hat das Beizmittels „Cruiser OSR“ der Firma Syngenta mit dem bienengiftigen Wirkstoff Thiamethoxam verboten. „Wenn ein großes europäisches Land neueste Ergebnisse vorlegt und ein Verbot ausspricht, dann sollte auch die Bundesregierung nicht länger zögern.“ Neben einem Verbot solcher Stoffe kann perspektivisch nur die Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft und des ökologischen Landbaus – im Rahmen der Agrar-Reform – Bienen und anderen gefährdeten Arten eine Überlebensperspektive geben.

Neonicotinoide sind Nervengifte und gehören zu den Insektiziden. Sie stehen durch eine Reihe aktueller Studien in dringendem Verdacht, Bienenvölker auch durch nicht-tödliche Wirkungen massiv zu schädigen. Bereits 2008 konnte nachgewiesen werden, dass der Wirkstoff Clothianidin im Rheintal zum Bienensterben führte.


Britta Duille
BürgerInnenbüro Cornelia Behm MdB
Jägerstr. 18
14467 Potsdam

Tel: 0331 / 887 10 56
Fax: 0331 / 887 10 55
cornelia.behm@wk.bundestag.de

www.cornelia-behm.de

„Natur-Mord geht auf die Pflanzengifte der Neonicotinoide zurück.“

Hier ein Leserbrief an den Tagesspiegel von Professor Klaus-Werner Wenzel zum Artikel des TS „Wenn Bienen leiden“ vom 17. Juni 2012.

Unsere Jugend wird sich kaum erinnern, dass man früher nach einigen hundert Autobahnkilometern die Frontscheibe von toten Insekten säubern musste. Verschwunden ist auch der Anblick von Telefonleitungen, die dicht von Schwalben besetzt waren. Mancher steht da und merkt auch nicht, dass bei weniger Blütenvielfalt weniger Schmetterlinge auf unseren Wiesen umherfliegen. Ein solcher Natur-Mord geht auf die Pflanzengifte der Neonicotinoide (NN) zurück.

Diese werden als systemische Pestizide in sogenannter Beize (Ummantelung) von Samen in den Boden eingebracht, die dann als extrem langsam abbaubare Substanzen Pflanzen in deren Gesamtheit einschließlich Blüten, Nektar, Pollen und Samen auf Dauer vergiften. NN wurden als Nervengifte „gegen saugende und schluckende Insekten“ von der Bayer AG 1991 auf den Markt gebracht und werden inzwischen in über 120 Ländern vertrieben. Leider gibt es nur in drei Ländern (Norwegen, Schweden, Großbritannien) Pflichtangaben zum Verkauf von Pestiziden, woraus sich allein für die Firma Bayer ein Jahresumsatz mit den NN von mindestens 750 Millionen Euro pro Jahr hochrechnen lässt. Ein derartiger Verdienst erklärt auch die in dem Artikel zitierte Behauptung des Bayer-Chefs Marijn Dekkers vor seinen Aktionären, dass „wissenschaftliche Untersuchungen jeglichen Einfluss von Saatgutbeizmitteln auf das zunehmende Bienensterben ausschließen“. Eine solche Tatsachenverdrehung spricht dem gegenwärtigen Wissensstand Hohn. Denn die verheerende Wirkung auf Bestäuber (Honigbienen, Hummeln, Wildbienen) – die immerhin für 35 Prozent der menschlichen Nahrungsmittel Voraussetzung sind – ist eindeutig nachgewiesen. Bayer pflegt sich auf eine kanadische, von Bayer bezahlte Studie zu berufen, deren wissenschaftlicher Ansatz so fragwürdig ist, dass die Studie von der US-amerikanischen Environmental Protection Agency (EPA) für ungültig erklärt worden ist. Dagegen stehen objektive Daten in „First-Class“-Journalen: Hummeln und Wildbienen tragen zur Nahrungsmittelbestäubung ebenso viel bei wie Honigbienen, und deren vier häufigsten Arten sind in den USA zu 96 Prozent ausgerottet. Von Hummelköniginnen unter NN-Einfluss überleben 85 Prozent nicht den Winter. NN verursachen, dass 43 Prozent der futtersuchenden Bienen nicht mehr nach Hause finden, weshalb die Stöcke zugrunde gehen. Es fanden sich 50 Prozent Verluste von Bienen, die in kleinen Käfigen durch den Rand einer 20 Meter breiten NN-Staubwolke um eine Saatmaschine gezogen wurden. In einer Untersuchung vom österreichischen Imkerbund wurde in 20 von 22 im Winter zugrunde gegangenen Bienenstöcken bienengiftige Maisbeizmittel nachgewiesen. An der Harvard-Universität wurde gezeigt, dass durch NN nicht nach 12 Wochen, aber nach 23 Wochen 94 Prozent der Bienenstöcke ausgestorben waren, nicht so die NN-freien Stöcke. Letzteres zeigt, dass das Bienensterben auf eine kumulative Toxizität der kaum abbaubaren NN zurückgeht, und das die bei pharmakologischen Prüfungen übliche Beurteilung der Akuttoxizität mit der sogenannten LD50 ohne Aussage ist. Bekannt sind die Totalausfälle von Bienenstöcken in 2008 im Oberrhein-Tal (Bayer hat die Imker damals entschädigt) und kürzlich in Slowenien.

Bisher hat es die Chemielobby vermocht, vor dem britischen und dem holländischen Parlament mit „Experten“ (z.T. von einem Stiftungslehrstuhl der Bayer AG) ein Verbot der NN abzuwenden. Dagegen ist in Frankreich seit Mai 2008 der großflächige Einsatz von NN (Sonnenblumen, Raps, Mais) und in Italien seit August 2008 die NN-Vergiftung von Maisfeldern verboten. Die Maisernte ist daraufhin sogar ertragreicher geworden. Erfolgreich ist es, die Pflanzenart von Jahr zu Jahr zu wechseln, so dass die Schädlinge im Frühjahr keine Nahrungspflanzen vorfinden. Es ist zu hoffen, dass der Einfluss der Chemieindustrie nicht anhalten wird. So hat zum Beispiel der Ombudsmann der Europäischen Union, P. Nikiforos Diamandouros, auf Antrag der österreichischen Volksanwaltschaft die Kommission beauftragt, Stellung zu nehmen, ob bei der Zulassung NN vorhandene wissenschaftliche Kriterien außer Acht gelassen worden sind, die eine Ursächlichkeit der NN auf das Bienensterben vermuten lassen. Desweiteren mehren sich nun Erkenntnisse, dass NN nicht nur für das Insektensterben verantwortlich sind. So sterben in NN-vergifteten Gewässern auch Molusken- und Krebsarten ab. Auch junge Blaukrabben sterben unter NN-Einfluss bei der Häutung. Als schwerwiegend dürfte die Beobachtung japanischer Forscher gelten, die kürzlich beschrieben haben, dass vermutlich das Hirngewebe neugeborener Ratten verzögert wächst. Und Ergebnisse an Ratten sind in der Regel auf den Menschen zu übertragen.

— Prof. Dr. med. Klaus-Werner Wenzel, Mitglied in der IUCN-Task-Force on Systimic Pesticides (als Insekten-Experte und Mediziner), der internationalen Naturschutzorganisation

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