DLF: „Pestizide schaden Bienen“

„Bundesregierung fordert EU-Entscheidung über den Einsatz der Chemikalien

Die EU-Agrarminister beraten über eine Studie der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Die bestärkt den Verdacht, dass drei Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Neonikotinoide für das verbreitete Bienensterben verantwortlich sind.“

Zum Radiobeitrag in Umwelt und Verbraucher vom 28.01.2013.

Aus Öko-Test: TV-Tipp / Leserbriefe

Leserbriefe zum Glyphosat-Thema in der Ökotest:

(Infos von Tom)

„Natur-Mord geht auf die Pflanzengifte der Neonicotinoide zurück.“

Hier ein Leserbrief an den Tagesspiegel von Professor Klaus-Werner Wenzel zum Artikel des TS „Wenn Bienen leiden“ vom 17. Juni 2012.

Unsere Jugend wird sich kaum erinnern, dass man früher nach einigen hundert Autobahnkilometern die Frontscheibe von toten Insekten säubern musste. Verschwunden ist auch der Anblick von Telefonleitungen, die dicht von Schwalben besetzt waren. Mancher steht da und merkt auch nicht, dass bei weniger Blütenvielfalt weniger Schmetterlinge auf unseren Wiesen umherfliegen. Ein solcher Natur-Mord geht auf die Pflanzengifte der Neonicotinoide (NN) zurück.

Diese werden als systemische Pestizide in sogenannter Beize (Ummantelung) von Samen in den Boden eingebracht, die dann als extrem langsam abbaubare Substanzen Pflanzen in deren Gesamtheit einschließlich Blüten, Nektar, Pollen und Samen auf Dauer vergiften. NN wurden als Nervengifte „gegen saugende und schluckende Insekten“ von der Bayer AG 1991 auf den Markt gebracht und werden inzwischen in über 120 Ländern vertrieben. Leider gibt es nur in drei Ländern (Norwegen, Schweden, Großbritannien) Pflichtangaben zum Verkauf von Pestiziden, woraus sich allein für die Firma Bayer ein Jahresumsatz mit den NN von mindestens 750 Millionen Euro pro Jahr hochrechnen lässt. Ein derartiger Verdienst erklärt auch die in dem Artikel zitierte Behauptung des Bayer-Chefs Marijn Dekkers vor seinen Aktionären, dass „wissenschaftliche Untersuchungen jeglichen Einfluss von Saatgutbeizmitteln auf das zunehmende Bienensterben ausschließen“. Eine solche Tatsachenverdrehung spricht dem gegenwärtigen Wissensstand Hohn. Denn die verheerende Wirkung auf Bestäuber (Honigbienen, Hummeln, Wildbienen) – die immerhin für 35 Prozent der menschlichen Nahrungsmittel Voraussetzung sind – ist eindeutig nachgewiesen. Bayer pflegt sich auf eine kanadische, von Bayer bezahlte Studie zu berufen, deren wissenschaftlicher Ansatz so fragwürdig ist, dass die Studie von der US-amerikanischen Environmental Protection Agency (EPA) für ungültig erklärt worden ist. Dagegen stehen objektive Daten in „First-Class“-Journalen: Hummeln und Wildbienen tragen zur Nahrungsmittelbestäubung ebenso viel bei wie Honigbienen, und deren vier häufigsten Arten sind in den USA zu 96 Prozent ausgerottet. Von Hummelköniginnen unter NN-Einfluss überleben 85 Prozent nicht den Winter. NN verursachen, dass 43 Prozent der futtersuchenden Bienen nicht mehr nach Hause finden, weshalb die Stöcke zugrunde gehen. Es fanden sich 50 Prozent Verluste von Bienen, die in kleinen Käfigen durch den Rand einer 20 Meter breiten NN-Staubwolke um eine Saatmaschine gezogen wurden. In einer Untersuchung vom österreichischen Imkerbund wurde in 20 von 22 im Winter zugrunde gegangenen Bienenstöcken bienengiftige Maisbeizmittel nachgewiesen. An der Harvard-Universität wurde gezeigt, dass durch NN nicht nach 12 Wochen, aber nach 23 Wochen 94 Prozent der Bienenstöcke ausgestorben waren, nicht so die NN-freien Stöcke. Letzteres zeigt, dass das Bienensterben auf eine kumulative Toxizität der kaum abbaubaren NN zurückgeht, und das die bei pharmakologischen Prüfungen übliche Beurteilung der Akuttoxizität mit der sogenannten LD50 ohne Aussage ist. Bekannt sind die Totalausfälle von Bienenstöcken in 2008 im Oberrhein-Tal (Bayer hat die Imker damals entschädigt) und kürzlich in Slowenien.

Bisher hat es die Chemielobby vermocht, vor dem britischen und dem holländischen Parlament mit „Experten“ (z.T. von einem Stiftungslehrstuhl der Bayer AG) ein Verbot der NN abzuwenden. Dagegen ist in Frankreich seit Mai 2008 der großflächige Einsatz von NN (Sonnenblumen, Raps, Mais) und in Italien seit August 2008 die NN-Vergiftung von Maisfeldern verboten. Die Maisernte ist daraufhin sogar ertragreicher geworden. Erfolgreich ist es, die Pflanzenart von Jahr zu Jahr zu wechseln, so dass die Schädlinge im Frühjahr keine Nahrungspflanzen vorfinden. Es ist zu hoffen, dass der Einfluss der Chemieindustrie nicht anhalten wird. So hat zum Beispiel der Ombudsmann der Europäischen Union, P. Nikiforos Diamandouros, auf Antrag der österreichischen Volksanwaltschaft die Kommission beauftragt, Stellung zu nehmen, ob bei der Zulassung NN vorhandene wissenschaftliche Kriterien außer Acht gelassen worden sind, die eine Ursächlichkeit der NN auf das Bienensterben vermuten lassen. Desweiteren mehren sich nun Erkenntnisse, dass NN nicht nur für das Insektensterben verantwortlich sind. So sterben in NN-vergifteten Gewässern auch Molusken- und Krebsarten ab. Auch junge Blaukrabben sterben unter NN-Einfluss bei der Häutung. Als schwerwiegend dürfte die Beobachtung japanischer Forscher gelten, die kürzlich beschrieben haben, dass vermutlich das Hirngewebe neugeborener Ratten verzögert wächst. Und Ergebnisse an Ratten sind in der Regel auf den Menschen zu übertragen.

— Prof. Dr. med. Klaus-Werner Wenzel, Mitglied in der IUCN-Task-Force on Systimic Pesticides (als Insekten-Experte und Mediziner), der internationalen Naturschutzorganisation

Dieser Text als pdf.

„Gold und Rohstoff Report“: Wild- und Blühpflanzen werden Mais zurückdrängen

Interessante Analyse der Netzzeitung Gold und Rohstoff Report: In den USA wird aufgrund steigender Hitze und damit verbundener Ernteausfälle der Mais knapp und langfristig teurer während in Europa nach exzessivem Maisanbau mit den damit verbunden Schäden in der Natur vermehrt auf Wild- und Blühpflanzen als Energielieferant gesetzt wird.

Der komplette Artikel als pdf.

Glyphosat-Studie / Cruiser OSR in Frankreich verboten

Sybilla Keitel hat in einem Telefonat mit der Bundesgeschäftsstelle des BUND erfahren,

„dass nach der Glyphosat-Studie an der Uni Leipzig ( wo Professorin Krüger Rückstände, die weit über den zulässigen Werten für Trinkwasser liegen,  im Urin aller Studenten- Probanden gefunden hat  ) eine Aktion von Holland bis Rumänien laufen soll nach dem Motto: „Europa pinkelt“. Ziel sei der wissenschaftliche Nachweis, dass Glyphosat flächendeckend bereits im Stoffwechsel der Menschen ist – mit chronischen Indispositionen/ Erkrankungen/ Schädigungen des Erbguts als Folge.“

Hier noch die Übernahme einer –

Pressemitteilung von Harald Ebner, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) vom 04.07.2012
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Cruiser OSR gehört verboten, Frau Aigner!

Zum Verbot des Beizmittels „Cruiser OSR“ der Firma Syngenta mit dem bienengiftigen Pestizid Thiamethoxam durch den französische Landwirtschaftsminister Stephane Le Foll erklärt Harald Ebner, Mitglied des Bundestags-Agrarausschusses und Fachabgeordneter der Grünen Bundestagsfraktion für den Bereich Pflanzenschutz:

Wir begrüßen das französische Verbot des Rapsbeizmittels, das in akutem Verdacht steht, schon in geringen Dosen zu einer Desorientierung von Bienen und damit zu einer Schädigung von Bienenvölkern zu führen. Ministerin Aigner täte gut daran dem Vorbild ihres französischen Amtskollegen Le Foll zu folgen. Von einem ähnlichen Beizmittelverbot mit dem Wirkstoff Thiometoxam fehlt aber in Deutschland jede Spur.

Während Frankreich im Sinne des Vorsorgeprinzips zum Schutze der Imkerei handelt, bleibt Deutschland untätig. Die Gruppe der Neonicotinoide steht durch eine Reihe aktueller Studien in dringendem Verdacht, Bienenvölker auch durch nicht-tödliche Wirkungen massiv zu schädigen. Mit ihren Antworten auf eine aktuelle Kleine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion zeigt die Bundesregierung leider deutlich, dass sie die Gefahren durch die besonders bienengefährliche Pestizidgruppe der Neonicotinoide nicht wirklich ernst nimmt. Kritische Studien redet sie klein, statt Hinweisen auf Risiken für Bienen und Umwelt nachzugehen.

Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie der angekündigten Initiative Frankreichs für ein europäisches Verbot von Rapsbeizmitteln mit diesem Wirkstoff aufgreift und unterstützt. Zudem muss die Bundesregierung dafür Sorge tragen, dass von den europäischen und nationalen Zulassungsbehörden die aktuellen Forschungsergebnisse gewissenhaft und umfassend in die auf EU Ebene laufende Überprüfung von 5 Neonicotinoid-Wirkstoffen einbezogen werden. Statt im Bundestag wohlfeile Reden über die Bedeutung der Bienen zu halten, muss Schwarz-Gelb endlich handeln!
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Büro Harald Ebner, MdB
Sprecher für Agrogentechnik
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
http://www.harald-ebner.de

Tel. 030 / 227-73028
Fax 030 / 227-76025

Neonicotinoid-Pestizide: Jetzt stoppen!

Hier eine Info im Original-Wortlaut von avaaz.org:

Liebe Freundinnen und Freunde,

Pestizide töten Bienen und bedrohen unsere Nahrungskette. In 24 Stunden könnten Aktionäre des größten chemischen Produzenten Bayer für ein Ende der tödlichen Gifte stimmen. Öffentlicher Druck hat diese Debatte bei der Jahreshauptversammlung erzwungen; stellen wir nun sicher, dass sie für die Rettung der Bienen und ein Ende der Pestizide stimmen. Unterzeichnen Sie die Notfall-Petition jetzt:

Lautlos sterben weltweit Milliarden von Bienen und unsere gesamte Nahrungskette ist in Gefahr. Doch wenn Bayer den Verkauf einer bestimmten Gruppe von Pestiziden stoppt könnten wir die Bienen vor der Ausrottung bewahren.

Vier Länder Europas haben bereits begonnen, diese Gifte zu verbieten, und einige Bienenvölker erholen sich langsam. Doch Bayer, der größte Produzent von Neonicotinoiden, setzt sich stark dafür ein, sie auf dem Markt zu lassen. Nun hat weltweiter Druck von Avaaz und anderen Bayer gezwungen, den Tatsachen ins Auge zu sehen — und in 24 Stunden stimmen Bayer-Aktionäre über einen Antrag ab, der den giftigen Chemikalien ein Ende setzen könnte. Handeln wir jetzt und bringen wir die Aktionäre dazu, den Bienenmord aufzuhalten.

Der Druck zeigt Wirkung und dies ist die beste Gelegenheit, die Bienen zu retten. Unterzeichnen Sie die dringende Petition und erzählen Sie Freunden und Bekannten davon — gemeinsam erreichen wir eine halbe Million Unterzeichner. Unsere Petition wird morgen direkt an die Aktionäre in Köln überreicht!

http://www.avaaz.org/de/bayer_save_the_bees/?vl

Bienen machen nicht nur Honig, sie sind entscheidend für das Fortbestehen von Leben auf der Erde und bestäuben 90% der Pflanzen, die wir anbauen — mit einem geschätzten Wert von 40 Milliarden Dollar, mehr als ein Drittel des Nahrungsangebots in vielen Ländern. Ohne dringendes Handeln zur Rettung der Bienen könnten viele unserer beliebtesten Früchte, Gemüse und Nüsse von den Regalen der Geschäfte verschwinden.

In den vergangenen Jahren sind Bienenvölker weltweit in erschreckendem Ausmaß geschrumpft — einige Bienenarten sind bereits ausgestorben und in den USA sind einige Arten bei nur noch 4% ihrer vorherigen Anzahl. Wissenschaftler suchen nach Erklärungen. Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass eine Kombination verschiedener Faktoren wie Krankheiten, der Verlust des natürlichen Habitats und giftiger Chemikalien für das Bienensterben verantwortlich sind. Doch immer häufiger finden unabhängige Untersuchungen Belege dafür, dass die Hautschuld bei den Neonicotinoid-Pestiziden liegt. Frankreich, Italien, Slowenien und sogar Deutschland, Standort des Hauptproduzenten Bayer, haben eine Art der Bienenkiller verboten, doch Bayer exportiert seine Gifte munter weiter in die ganze Welt.

Die neuen Studien haben das Ausmaß des Problems bestätigt und eine hitzige Debatte ist nun neu entfacht. Wenn wir die Bayer-Aktionäre zum Handeln bringen, könnten wir Bayers Einfluss auf politische Entscheidungsträger und Wissenschaftler ein für allemal ein Ende setzen. Die wahren Experten auf diesem Gebiet — Imker und Landwirte — wollen, dass die tödlichen Pestizide verboten werden bis eindeutig festgestellt ist, dass sie unschädlich sind. Unterstützen wir sie jetzt: Unterzeichnen Sie die dringende Petition an die Bayer-Aktionäre jetzt und leiten Sie diese Email weiter.

http://www.avaaz.org/de/bayer_save_the_bees/?vl

Wir können unsere empfindliche Nahrungskette nicht in den Händen von wissenschaftlichen Studien, die von Chemiekonzernen und Behörden, die ihnen verpflichtet sind, lassen. Ein Verbot dieser Pestizide macht die Welt sicherer, sowohl für uns als auch für Tier- und Pflanzenarten, die uns wichtig sind.

Voller Hoffnung,

Alice, Antonia, Mia, Luis, Ricken, Stephanie, Pascal, Iain, Ari und das gesamte Avaaz-Team

WEITERE INFORMATIONEN

Empfindliche Pollensammler: Schon geringe Mengen von Insektiziden können Bienen töten (Deutschlandfunk)
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1738694/

Pestizid Clothianidin darf wieder angewendet werden: Bienensterben im Maisfeld (Süddeutsche Zeitung)
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pestizid-clothianidin-darf-wieder-angewendet-werden-bienensterben-im-maisfeld-1.1328579

Studies fault Bayer in bee die-off (Christian Science Monitor, auf Englisch)
http://www.csmonitor.com/Science/2012/0406/Studies-fault-Bayer-in-bee-die-off

2 Studies Point to Common Pesticide as a Culprit in Declining Bee Colonies (New York Times, auf Englisch)
http://www.nytimes.com/2012/03/30/science/neocotinoid-pesticides-play-a-role-in-bees-decline-2-studies-find.html?_r=1

Leaked document shows EPA allowed bee-toxic pesticide despite own scientists’ red flags (Grist, auf Englisch)
http://grist.org/politics/food-2010-12-10-leaked-documents-show-epa-allowed-bee-toxic-pesticide/

Bayer’s Annual Stockholder’s Meeting (ASM website, auf Englisch)
http://www.asm2012.bayer.com/en/counter-motions.aspx

Artikel: Wildblumen statt Mais

Artikel aus Financial Times Deutschland vom 08.04.2012:

Mix statt Monokultur Mais soll alternativen Energiepflanzen weichen
Wildblumen, Rüben und Roggen statt den ewig gleichen Maisfeldern: Experten fordern mehr Vielfalt bei Energiepflanzen. Nicht nur den Bienen zuliebe – die neuen Ideen sind auch was für’s Auge. Von Bernward Janzing

Ministerialdirektor Wolfgang Reimer ist ein Freund von Biogas. Aber er sorgt sich auch um die Bienen, schon aus rein ökonomischen Gründen: „Die Bestäubungsleistung durch die Bienen in Deutschland kann jährlich mit 2,6 bis 3 Mrd. Euro veranschlagt werden.“ Der Mann aus dem Stuttgarter Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fordert mehr Pflanzenvielfalt bei der Erzeugung von Biogas. Man müsse wegkommen von der „Vermaisung“ der Landschaft. Reimers Worte haben Gewicht. Er stammt von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Hohenlohe, kennt sich also bestens aus in diesem Metier.

Denn der Mais ist allenthalben in Verruf geraten. Imker warnen schon: „Für Bienen ist der Mais wie eine Wüste, er wird von den Bienen nicht beflogen“, sagt Bernd Möller, Kreisvorsitzender der Imker im Schwarzwald-Baar-Kreis. Und zudem werde der Mais stark gedüngt und gespritzt.

Was also ist zu tun? Schließlich ist das Biogas eine wichtige Komponente beim Ausbau der heimischen erneuerbaren Energien. Vor allem auch, weil das Gas aus der Biomassevergärung – anders als Sonnenenergie und Wind – ein direkt speicherbarer Energieträger ist. Biogasanlagen könnten in Zukunft jeweils dann laufen, wenn Sonne und Wind schwächeln, und damit das Stromnetz stabilisieren. Eine ideale Energie also – wäre da nicht die Kehrseite, dass Biogasanlagen zuletzt immer mehr Maisfelder schufen. Das liegt daran, dass Mais energetisch gesehen eine hervorragende Pflanze ist, er bringt hohe Masseerträge pro Hektar und zudem lässt er sich gut vergären, was zu einer hohen Gasausbeute führt. „Gegen den Mais haben es alle anderen Pflanzen bislang schwer“, sagt Stefan Rauh, Referatsleiter Landwirtschaft beim Fachverband Biogas.

Gleichwohl suchen Biogasbetreiber und Pflanzenzüchter nach neuen Kulturen, um mehr Vielfalt auf die Äcker zu bringen: „Es gibt vielversprechende Ansätze“, sagt Rauh. Allerdings reifen sie erst allmählich, weil die Biogasentwicklung noch jung ist, und die Züchtung von neuen Sorten in der Regel acht bis 15 Jahre braucht.

Eine Option ist die Rübe, die so viel Trockensubstanz enthält, dass sie den Energieertrag des Maises gar überbieten kann. Aber die Züchtung hinkt eben einige Jahre hinterher. „Wir züchten Energiemais seit 2002, die Energierübe seit 2008“, sagt Raoul Buschmann von der KWS Saat im niedersächsischen Einbeck. Die Züchtung der Rübe erfolge mit dem Ziel, die Trockensubstanz zu maximieren; im Unterschied dazu schaut man bei der Rübe für die Zuckergewinnung vor allem auf die Saftqualität.
Eine interessante Frucht ist außerdem die Sorghumhirse. KWS arbeitet seit 2007 daran, Sorghum zur ertragreichen Energiepflanze zu entwickeln. Dafür erhöhen die Züchter den Anteil der Trockensubstanz. Die Gattung aus der Familie der Süßgräser ist ursprünglich in Ostafrika zu Hause, sie kommt folglich mit wenig Wasser aus. Sie nutzt die Nährstoffe sehr effizient, und stellt wenig Ansprüche an den Boden. „An trockenen Standorten kann Sorghum den Mais beim Energieertrag übertreffen, an feuchten ist Mais einfach besser“, sagt Zuchtexperte Buschmann.

Unter den heimischen Getreidearten weckt der Roggen das Interesse der Züchter. Denn er ist anspruchsloser als die übrigen Körnersorten. Aber auch hier stehen die Züchter noch am Anfang: „Man hatte in der Vergangenheit immer nur die Qualität des Getreides im Auge“, sagt Joachim Eder vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in Freising. Erst in den vergangenen Jahren rückte parallel die Gesamtpflanze für die energetische Nutzung ins Blickfeld.

So hat auch KWS damit begonnen, den Energieroggen zu entwickeln. Attraktiv sei dieser auch deshalb, weil er als Winterroggen gut in der Fruchtfolge eingesetzt werden kann. Und vorteilhaft sei er zudem aus ökologischer Sicht, weil man ihm problemlos auch Leguminosen oder Wicken beimischen kann – um die Artenvielfalt auf den Äckern zu erhöhen.

Briketts aus Blumen

Der Schwarzwälder Imker Möller bringt unterdessen auch noch die durchwachsene Silphie ins Spiel. Die werde von den Bienen beflogen und bringe gleiche Biomasseerträge wie der Mais. Nur sei diese noch nicht so etabliert: „Die Landwirte bauen eben am liebsten die Pflanzen an, die sie kennen“, sagt Möller.
Unterdessen sieht der Freisinger Pflanzenzuchtexperte Eder in Wildpflanzenmischungen einen neuen Hoffnungsträger: „Wir arbeiten intensiv daran.“ Die ersten Ergebnisse des deutschlandweiten Versuchs „Energie aus Wildpflanzen“ der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) liegen nun vor – und der Ertrag stimmt. Der Anbau lasse sich zudem gut in die landwirtschaftliche Produktion integrieren und sei mit der herkömmlichen Technik zu meistern. Weiterer ökologischer Pluspunkt: Wer mehrjährige Pflanzen einsetzt, kann außerhalb der Nist- und Aufzuchtzeiten der Tiere ernten.

In ihrem Versuch hat die LWG Wildpflanzenmischungen aus Rainfarn, Flockenblumen und verschiedenen Malven- und Kleesorten eingesetzt. Die hohe Artenvielfalt bei den Pflanzen habe „bei fast allen Tiergruppen höhere Artenzahlen als auf dem Vergleichsstandort Maisacker“ zur Folge, sagt Forscherin Birgit Vollrath. So könne der Energieacker zugleich zum „Nahrungs- und Reproduktionshabitat“ für Blütenbesucher, Vögel und Fledermäuse werden. Fazit der Wissenschaftlerin: „Die ersten Ergebnisse bestätigen den großen Wert für die Tierwelt und die Leistungsfähigkeit von Wildkräuteransaaten zur Biogasgewinnung.“

Hinzu kommt ein weiterer positiver Aspekt: Die Felder mit Wildblumen sehen einfach wunderschön aus. Für die Biogasbranche ist das inzwischen ein sehr wichtiger Gesichtspunkt. Denn das Renommee der Energie vom Acker hat wegen Hektaren von Maismonokulturen empfindlich gelitten. Für Verbandsvertreter Rauh ist daher längst klar: „Energiepflanzen müssen Akzeptanz finden.“ Und das wird wohl keine Kultur besser schaffen als eine bunte Blumenwiese.“

Artikel „Pestizide setzen Bienen und Hummeln massiv zu“

Aus Spiegel online, 30.03.2012

„Von Menschen versprühte Giftstoffe spielen offenbar eine entscheidende Rolle beim Massensterben von Hummeln und Bienen. Das legen gleich zwei neue Studien nahe. Unter anderem stören die Pestizide demnach den Orientierungssinn der Insekten.

Berlin – Bienen und Hummeln lassen in Massen ihr Leben. Das globale Sterben beschäftigt Biologen schon seit Jahren. Laut einen Uno-Bericht ist es längst ein globales Problem und könnte eine Nahrungsmittelkrise auslösen. Aggressive Milben sind als Schuldige ausgemacht worden, Parasiten-Fliegen gelten ebenfalls als Killer-Kanidaten – und Pestizide. Zwei neue Studien unterstreichen nun, wie gefährlich die chemischen Substanzen für die Insekten sind.

Zwei Expertenteams hatten die Wirkung von Neonicotinoiden erforscht. Das ist eine Gruppe gängiger Insektizide, die in zahlreichen Ländern im Einsatz ist. Wissenschaftler aus Frankreich berichten im Fachmagazin „Science“, dass das Gift die Orientierung der Bienen stört: Die Tiere finden den Weg zu ihrem Volk nicht mehr. Ein Team aus Großbritannien entdeckte außerdem, dass die Insektizide Hummelvölkern stark zusetzen.

„Einige Hummelarten sind enorm zurückgegangen. Beispielsweise in Nordamerika sind manche Arten mehr oder weniger komplett vom Kontinent verschwunden“, schreibt der britische Forscher Dave Goulson von der schottischen Universität in Stirling. In Großbritannien seien bereits drei Arten ausgelöscht.

Goulsons Team setzte Hummelvölker dem Insektizid Imidacloprid aus. Die Dosis war jener ähnlich, der die Tiere in der Natur begegnen. In einer geschlossenen Umgebung hausten die Hummeln sechs Wochen lang unter natürlichen Bedingungen. Zu Beginn und am Ende des Experiments wogen die Forscher die Nester mit dem gesamten Inhalt: Hummeln, Wachs, Honig, Larven und Pollen. Die belasteten Kolonien waren im Durchschnitt acht bis zwölf Prozent kleiner als die Kontrollgruppe.

Außerdem entdeckten Goulson und seine Kollegen, dass die behandelten Hummeln etwa 85 Prozent weniger Königinnen hervorgebracht hatten. Dies sei ein wichtiger Punkt: Die Zahl der Königinnen beeinflusse die Zahl der neuen Nester im kommenden Winter.

Mickael Henry forscht am Institut National de la Recherche Agronomique im französischen Avignon. Er und sein Team klebten winzige Mikrochips an die Körper der Versuchsbienen. Einige der kleinen Tiere kamen in Kontakt mit dem Insektizid Thiamethoxam. Diese Bienen starben zwei- bis dreimal häufiger weit entfernt von ihrem Nest als die Tiere ohne Gift. Das Insektizid habe die Orientierung der Bienen gestört.

Die Daten aus den Mikrochips nutzten die Forscher, um Flugrouten zu berechnen. Offenbar hatten die belasteten Bienen irgendwann eine Entfernung erreicht, von der aus es schwierig war, zurückzufinden.

Freilich bereiten nicht nur Insektizide den Experten Sorge. Die aggressive Varroamilbe gilt als größter Feind der Honigbiene. Sie beißt sich an den Insekten fest, wie ein Blutegel bei Säugern – aber mit dramatischerer Wirkung. Durch die milden Temperaturen im vergangenen Jahr waren die Milben laut Experten sehr lange aktiv und verstärkten so ebenfalls das Bienensterben.   chs/dpa“