Nach Gerswalde: Weiter so!

Hallo Leser/in,

dies wird der vorerst letzte Eintrag sein, den ich hier unterbringe. Wer Interesse hat, den Blog weiterzuführen (und der wird in Zukunft noch oft gebraucht), möchte sich bitte melden unter : .

Das Treffen der Initiative zur Vorstellung der Ergebnisse der Wasserproben durch BUND und NABU am 17.8.2012 in Gerswalde war spannend, aufregend und lehrreich.  Und gleichzeitig frustrierend. Es hat offensichtlich nichts genützt, daß eine junge Frau, von der ich nur den Vornamen weiß, einen Bauernverbandsfunktionär darüber aufklären mußte, wie das mit der Fruchtfolge genau funktioniert. Daß ein älterer Herr schimpft und brüllt, daß man ihm die Straße vor der Haustür mittels schwerem Gerät zur Biogasgewinnung kaputt fährt, aber niemand für diese Schäden aufkommen will. Es sind eben nicht nur die üblichen Öko-Fritzen und Berliner Möchtegern-Uckermärker, die hier auf ein Problem in der modernen Landwirtschaft hinweisen. Und trotz zitierter Studien, Untersuchungen, TV-Beiträgen und vor allem persönlicher Erfahrungen einiger Anwesender hält man das alles für maßlos überzogen. Halbwissen, vorsätzliche Täuschung etc pp. Im Grunde könnte mir das ganze Gezeter mittlerweile egal sein, denn ich weiß, die Natur holt sich ihr Terrain sowieso in ein paar Tausend Jahren wieder. Und wenn noch soviel Glyphosat den Acker runterfließt. Aber so ganz egal ist es mir eben nicht. Dafür gibt es mittlerweile zu viele Schauergeschichten zum Thema. Immerhin: Die Überwachung der Gewässer soll von Seiten des LELF nun regelmäßig erfolgen. Das haben wir erreicht. Die Hoffnung: Daß ideologiefrei nach vernünftigen, umweltgerechten Lösungen gesucht wird. Bis dahin müssen wir wohl weiter streiten. (Tom)

Hier ist die Info zur Gefährlichkeit von Glyphosat, die auf der Veranstaltung in Gerswalde verteilt wurde.

Protokoll des Abends von Beate Blahy.

Fazit und offener Brief an den Kreisbauernverband Uckermark und den Landesbauernverband von Sybilla Keitel.

Artikel in der Märkischen Oderzeitung zu den Probenergebnissen und zu unserer Initiative.

Zeitungsartikel im Uckermark Kurier zum Treffen.

Leserbrief von Tom Schweers dazu.

Zeitungsartikel des UK zu Vorwürfen des Landesbauernverbandes gegen BUND und NABU wegen der Wasserproben

Fazit und offener Brief an den Kreisbauernverband Uckermark und den Landesbauernverband von Sybilla Keitel.

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Artikel: „Wider die „gute fachliche Praxis““

Artikel aus den Potsdamer Neueste Nachrichten zur Konferenz “Vielfalt statt Monokulturen – Auswege für Brandenburg aus der Krise der Biomassenutzung”. Zur Internetseite der Zeitung mit diesem Artikel.

 

Mais-Anbau Wider die „gute fachliche Praxis“
von Matthias Matern

Vermaisung in Brandenburg. Derzeit steht Mais auf etwa 190 000 Hektar der vorhandenen Getreideanbaufläche in der Mark. Das sind etwa 35 Prozent. Naturschützer und Brandenburgs Grüne fordern strengere Regeln für den Anbau.

Der Anbau von Energie-Mais hat enorm zugelegt – mit negativen Folgen für die Umwelt, meinen Naturschützer und fordern strengere Regeln

Potsdam – Naturschützer und Brandenburgs Grüne fordern strengere Regeln für den Anbau von Mais zur Energiegewinnung. Durch die zunehmenden Vermaisung der Landschaft würden die Artenvielfalt bedroht und Ackerböden übermäßig strapaziert, kritisiert die Agrarexpertin der Grünen-Fraktion im Landtag, Sabine Niels. Der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Axel Kruschat, wirft der rot-roten Landesregierung dabei Versäumnisse vor. Mit der Überarbeitung des Landesnaturschutzgesetzes böte sich derzeit die Gelegenheit, wichtige Vorgaben festzuschreiben. „Die Landesregierung kennt die Probleme beim Anbau von Energiemais, ist aber offenbar nicht willig, Konsequenzen zu ziehen“, sagt Kruschat.

Dringend erforderlich ist aus Sicht von Niels und Kruschat eine klare Definition der sogenannten „guten fachlichen Praxis“ im Gesetz. Bislang werde den Landwirten durch diese schwammige Formulierung bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen weitgehend freie Hand gelassen, erläutert Kruschat. Doch gerade beim Anbau von Mais würden häufig Grundsätze der Landwirtschaft wie die Fruchtfolge missachtet. „Es gibt Flächen, auf denen fünf Jahre in Folge nur Mais angebaut wird“, berichtet der BUND-Landeschef. Die Folge seien ausgelaugte Böden und eine hohe Erosionsgefahr. Auch würden häufig enorme Mengen von Totalherbiziden eingesetzt und somit Lebensräume für Insekten und andere Tier- und Pflanzenarten vernichtet. „Diese Gifte gelangen auch ins Grundwasser, wie der Fall in der Uckermark zeigt.“ Wie berichtet hatten Anwohner in Stabeshöhe im vergangenen Jahr Proben eines Tümpels in einem Maisfeld untersuchen lassen. Dabei wurden bei einigen Stoffen eine erhebliche Überschreitung der Grenzwerte festgestellt und sogar verbotene Pflanzengifte gefunden. Deshalb ist Kruschat der Meinung, die Einhaltung der Fruchtfolge oder etwa regelmäßige Kontrollen der Humusschicht auf den Äckern müssten in der Novelle des brandenburgischen Naturschutzgesetzes als „gute fachliche Praxis“ festgeschrieben werden. Zumal davon auszugehen sei, dass die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen weiter steige, meint Axel Kruschat. Das überarbeitete Naturschutzgesetz wurde im November 2011 vom Kabinett verabschiedet und im Dezember erstmals im Landtag diskutiert. Eine Entscheidung steht noch aus. Die Grünen-Fraktion will bald eigene Vorschläge für strengere Regeln vorlegen.

Zumindest in den vergangenen Jahren hat der Mais-Anbau in Brandenburg deutlich zugenommen. Derzeit steht auf etwa 190 000 Hektar Mais. Das sind etwa 35 Prozent der vorhandenen Getreideanbaufläche. Noch 2011 wurde nur auf 167 000 Hektar Mais angebaut. Im Jahr davor waren es noch acht Prozent weniger. Nach Schätzungen von Experten werden etwa 30 Prozent des Mais energetischen genutzt. Auffällig ist die hohe Konzentration der Plantagen im unmittelbaren Umfeld großer Biogasanlagen. Auch deren Zahl hat deutlich zugenommen: 2005 waren es 34, heute gibt es landesweit etwa 280. Angaben des Fachverband Biogas Berlin-Brandenburg wird nur rund ein Drittel von den Landwirten selbst betrieben. Der größte Teil ist in der Hand von Fondsgesellschaften. Allein 51 landwirtschaftsfremde Investoren seien landesweit aktiv.

Für die Landesregierung ist die Biomassenutzung ein wichtiger Baustein ihrer Energiestrategie. Elf Prozent der Energie sollen bis 2030 aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Günter Hälsig, Abteilungsleiter im Umweltministerium, aber teilt die fachliche Meinung von Naturschützer Kruschat in vielen Punkten. „Es gibt eine Vermaisung der Landschaft vor allem nahe großer Biogasanlagen und der Anbau von Mais in Monokulturen beeinflusst die Artenvielfalt negativ“, sagt auch Hälsig. Ob jedoch eine klare Definition der „guten fachlichen Praxis“ hilft, bezweifelt er. Dies sei zwar möglich, hänge aber vom politischen Willen ab. Die Frage nach den dann erforderlichen Kontrollen und möglichen Sanktionen seien damit jedoch noch nicht geklärt.

 

Artikel: „Die sickernde Gefahr“

Artikel im General-Anzeiger für Ostfriesland und Emsland:

„Mehr Biogas-Anlagen, mehr Maisanbauflächen, die teils sehr stark gedüngt werden: Dadurch kann mehr Nitrat ins Grundwasser gelangen. Die Menge ist aktuell noch nicht kritisch, kann langfristig aber zum Problem werden.“

Hier als pdf.

Konferenz „Vielfalt statt Monokulturen – Auswege für Brandenburg aus der Krise der Biomassenutzung“

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Artikel: „In der Maiswüste“

„Die wachsenden Energieplantagen belasten Umwelt und Wasser.“

Zum Artikel in der ZEIT.

Der Artikel als pdf zum Download.

 

Artikel „Schleichende Vergiftung“

„Düngemittel und Gülle verseuchen langsam unser Trinkwasser. Der Boom der Biogasanlagen verschlimmert das Problem.“

Zum Artikel in der ZEIT.

Hier als pdf-Datei.

Aktion. „Nein zur „Biosprit“-Lüge!“

Hier der Link zur Seite des Umweltinstitutes.

Artikel: Wildblumen statt Mais

Artikel aus Financial Times Deutschland vom 08.04.2012:

Mix statt Monokultur Mais soll alternativen Energiepflanzen weichen
Wildblumen, Rüben und Roggen statt den ewig gleichen Maisfeldern: Experten fordern mehr Vielfalt bei Energiepflanzen. Nicht nur den Bienen zuliebe – die neuen Ideen sind auch was für’s Auge. Von Bernward Janzing

Ministerialdirektor Wolfgang Reimer ist ein Freund von Biogas. Aber er sorgt sich auch um die Bienen, schon aus rein ökonomischen Gründen: „Die Bestäubungsleistung durch die Bienen in Deutschland kann jährlich mit 2,6 bis 3 Mrd. Euro veranschlagt werden.“ Der Mann aus dem Stuttgarter Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fordert mehr Pflanzenvielfalt bei der Erzeugung von Biogas. Man müsse wegkommen von der „Vermaisung“ der Landschaft. Reimers Worte haben Gewicht. Er stammt von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Hohenlohe, kennt sich also bestens aus in diesem Metier.

Denn der Mais ist allenthalben in Verruf geraten. Imker warnen schon: „Für Bienen ist der Mais wie eine Wüste, er wird von den Bienen nicht beflogen“, sagt Bernd Möller, Kreisvorsitzender der Imker im Schwarzwald-Baar-Kreis. Und zudem werde der Mais stark gedüngt und gespritzt.

Was also ist zu tun? Schließlich ist das Biogas eine wichtige Komponente beim Ausbau der heimischen erneuerbaren Energien. Vor allem auch, weil das Gas aus der Biomassevergärung – anders als Sonnenenergie und Wind – ein direkt speicherbarer Energieträger ist. Biogasanlagen könnten in Zukunft jeweils dann laufen, wenn Sonne und Wind schwächeln, und damit das Stromnetz stabilisieren. Eine ideale Energie also – wäre da nicht die Kehrseite, dass Biogasanlagen zuletzt immer mehr Maisfelder schufen. Das liegt daran, dass Mais energetisch gesehen eine hervorragende Pflanze ist, er bringt hohe Masseerträge pro Hektar und zudem lässt er sich gut vergären, was zu einer hohen Gasausbeute führt. „Gegen den Mais haben es alle anderen Pflanzen bislang schwer“, sagt Stefan Rauh, Referatsleiter Landwirtschaft beim Fachverband Biogas.

Gleichwohl suchen Biogasbetreiber und Pflanzenzüchter nach neuen Kulturen, um mehr Vielfalt auf die Äcker zu bringen: „Es gibt vielversprechende Ansätze“, sagt Rauh. Allerdings reifen sie erst allmählich, weil die Biogasentwicklung noch jung ist, und die Züchtung von neuen Sorten in der Regel acht bis 15 Jahre braucht.

Eine Option ist die Rübe, die so viel Trockensubstanz enthält, dass sie den Energieertrag des Maises gar überbieten kann. Aber die Züchtung hinkt eben einige Jahre hinterher. „Wir züchten Energiemais seit 2002, die Energierübe seit 2008“, sagt Raoul Buschmann von der KWS Saat im niedersächsischen Einbeck. Die Züchtung der Rübe erfolge mit dem Ziel, die Trockensubstanz zu maximieren; im Unterschied dazu schaut man bei der Rübe für die Zuckergewinnung vor allem auf die Saftqualität.
Eine interessante Frucht ist außerdem die Sorghumhirse. KWS arbeitet seit 2007 daran, Sorghum zur ertragreichen Energiepflanze zu entwickeln. Dafür erhöhen die Züchter den Anteil der Trockensubstanz. Die Gattung aus der Familie der Süßgräser ist ursprünglich in Ostafrika zu Hause, sie kommt folglich mit wenig Wasser aus. Sie nutzt die Nährstoffe sehr effizient, und stellt wenig Ansprüche an den Boden. „An trockenen Standorten kann Sorghum den Mais beim Energieertrag übertreffen, an feuchten ist Mais einfach besser“, sagt Zuchtexperte Buschmann.

Unter den heimischen Getreidearten weckt der Roggen das Interesse der Züchter. Denn er ist anspruchsloser als die übrigen Körnersorten. Aber auch hier stehen die Züchter noch am Anfang: „Man hatte in der Vergangenheit immer nur die Qualität des Getreides im Auge“, sagt Joachim Eder vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in Freising. Erst in den vergangenen Jahren rückte parallel die Gesamtpflanze für die energetische Nutzung ins Blickfeld.

So hat auch KWS damit begonnen, den Energieroggen zu entwickeln. Attraktiv sei dieser auch deshalb, weil er als Winterroggen gut in der Fruchtfolge eingesetzt werden kann. Und vorteilhaft sei er zudem aus ökologischer Sicht, weil man ihm problemlos auch Leguminosen oder Wicken beimischen kann – um die Artenvielfalt auf den Äckern zu erhöhen.

Briketts aus Blumen

Der Schwarzwälder Imker Möller bringt unterdessen auch noch die durchwachsene Silphie ins Spiel. Die werde von den Bienen beflogen und bringe gleiche Biomasseerträge wie der Mais. Nur sei diese noch nicht so etabliert: „Die Landwirte bauen eben am liebsten die Pflanzen an, die sie kennen“, sagt Möller.
Unterdessen sieht der Freisinger Pflanzenzuchtexperte Eder in Wildpflanzenmischungen einen neuen Hoffnungsträger: „Wir arbeiten intensiv daran.“ Die ersten Ergebnisse des deutschlandweiten Versuchs „Energie aus Wildpflanzen“ der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) liegen nun vor – und der Ertrag stimmt. Der Anbau lasse sich zudem gut in die landwirtschaftliche Produktion integrieren und sei mit der herkömmlichen Technik zu meistern. Weiterer ökologischer Pluspunkt: Wer mehrjährige Pflanzen einsetzt, kann außerhalb der Nist- und Aufzuchtzeiten der Tiere ernten.

In ihrem Versuch hat die LWG Wildpflanzenmischungen aus Rainfarn, Flockenblumen und verschiedenen Malven- und Kleesorten eingesetzt. Die hohe Artenvielfalt bei den Pflanzen habe „bei fast allen Tiergruppen höhere Artenzahlen als auf dem Vergleichsstandort Maisacker“ zur Folge, sagt Forscherin Birgit Vollrath. So könne der Energieacker zugleich zum „Nahrungs- und Reproduktionshabitat“ für Blütenbesucher, Vögel und Fledermäuse werden. Fazit der Wissenschaftlerin: „Die ersten Ergebnisse bestätigen den großen Wert für die Tierwelt und die Leistungsfähigkeit von Wildkräuteransaaten zur Biogasgewinnung.“

Hinzu kommt ein weiterer positiver Aspekt: Die Felder mit Wildblumen sehen einfach wunderschön aus. Für die Biogasbranche ist das inzwischen ein sehr wichtiger Gesichtspunkt. Denn das Renommee der Energie vom Acker hat wegen Hektaren von Maismonokulturen empfindlich gelitten. Für Verbandsvertreter Rauh ist daher längst klar: „Energiepflanzen müssen Akzeptanz finden.“ Und das wird wohl keine Kultur besser schaffen als eine bunte Blumenwiese.“