SZ: „Studie zu Gengemüse“

Süddeutsche Zeitung vom 01.02.2013:

„Grüne Gentechnik schadet Umwelt und Landwirten
Gentech-Pflanzen brauchen teilweise mehr Spritzmittel als konventionelle Pflanzen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie zu sogenannter grüner Gentechnik. Die Folgen für die Umwelt sind demnach verheerend, auch die Landwirte gerieten durch das Gentech-Saatgut unter Druck. “

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DLF: „Pestizide schaden Bienen“

„Bundesregierung fordert EU-Entscheidung über den Einsatz der Chemikalien

Die EU-Agrarminister beraten über eine Studie der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Die bestärkt den Verdacht, dass drei Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Neonikotinoide für das verbreitete Bienensterben verantwortlich sind.“

Zum Radiobeitrag in Umwelt und Verbraucher vom 28.01.2013.

Intensive Landwirtschaft lässt Grundwasserspiegel sinken / Gentech-Pflanzen = mehr Pestizid-Einsatz

Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1926574/

FORSCHUNG AKTUELL

19.11.2012 · 16:35 Uhr
In der indischen Landwirtschaft wird sehr viel Grundwasser zur Bewässerung genutzt.  (Bild: AP) In der indischen Landwirtschaft wird sehr viel Grundwasser zur Bewässerung genutzt. (Bild: AP)

„Man kann ein Limit setzen, wie viel gepumpt werden darf“

Umweltphysiker über die zu starke Nutzung von Grundwasser-Reservoirs

Umwelt.- Fast überall auf der Welt zapft die Landwirtschaft vorhandenes Grundwasser an – allerdings verschieden stark. Der Umweltphysiker Werner Aeschbach-Hertig hat das Phänomen untersucht und erläutert im Interview, wie Grundwasservorräte nachhaltiger genutzt und stabilisiert werden könnten.

Uli Blumenthal: Die intensive Landwirtschaft lässt die Grundwasserspiegel in vielen Regionen sinken – zum Teil mit globalen Folgen. Das Schwinden des größten Süßwasserreservoirs der Erde gefährde die künftige Produktion von Lebensmitteln und lasse den Meeresspiegel ansteigen, so steht es heute im Fachjournal „Nature Geoscience“. Einer der Autoren ist Professor Werner Aeschbach-Hertig, Umweltphysiker an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Ihn habe ich vor der Sendung gefragt, in welchen Ländern die Nutzung des Grundwasserspeichers besonders intensiv ist.

Werner Aeschbach-Hertig: Am intensivsten ist es zurzeit in Indien und der Umgebung: Pakistan, Bangladesch sowie in Teilen von China, aber auch in den USA und Mexiko gibt es starke Grundwassernutzungen und -absenkungen.

Blumenthal: Was sind die Ursachen für diese starke Nutzung der Grundwasserspeicher?

Aeschbach-Hertig: Der Hauptgrund ist Nutzung für Bewässerungslandwirtschaft. Also da gehen die ganz großen Wassermengen hin. Und es tritt in den Gegenden auf, wo intensiv mit Bewässerung gearbeitet wird, intensive Landwirtschaft betrieben wird.

Blumenthal: Aber das betrifft ja zum Beispiel – Sie haben es kurz angesprochen – auch die USA. Die Diskussion in diesem Jahr um Maisfelder, die alle verdorrt sind, ist ja zusammenzubringen auch mit Grundwasserspeichern, die nicht mehr oder gar nicht mehr gefüllt sind.

Aeschbach-Hertig: Ja, in gewissen Gegenden – den High Plains und auch in Kalifornien – gab es eben schon über die letzten Jahrzehnte deutliche Absenkungen der Grundwasserspiegel, so dass es dort auch immer schwieriger wird, sozusagen noch zusätzliches Grundwasser zu nutzen.

Blumenthal: Erleben wir gegenwärtig eine vorrangig negative Bilanz bei der Nutzung der Grundwasserspeicher – und wie lange braucht es, um einen solchen wieder aufzufüllen?

Aeschbach-Hertig: Grundsätzlich muss man sagen: Grundwasser – global gesehen – ist eigentlich ein sehr großer Wasserspeicher, mit Abstand der größte. Es gibt viel mehr Grundwasser als in Seen und Flüssen. Aber die Erneuerung ist eben sehr viel langsamer. Die Fließgeschwindigkeiten von Grundwasser muss man sich in einer Gegend von einem Meter pro Tag vielleicht oder so etwas vorstellen. Das heißt, da kann einfach nicht so viel so schnell nachfließen, wie es zum Teil genutzt wird.

Blumenthal: Wie lassen sich nun diese Grundwasservorräte – man wird wahrscheinlich dann nach regionalen Lösungen suchen – stabilisieren? Lässt sich das durch technische Verfahren realisieren oder müssen andere Dinge eingeleitet werden?

Aeschbach-Hertig: Ja, es ist (…) breiten Ansatz. Also es gibt natürlich einige technische Dinge, die man machen kann und auch soll, die aber oft nicht ausreichen. Das ist dann so die Erfahrung, die man gemacht hat. Eine Möglichkeit ist künstliche Grundwasseranreicherung, also künstliche Infiltration von Wasser. Das wird zum Beispiel in Kalifornien auch intensiv gemacht – reicht aber demnach nicht in Trockenphasen, dann geht trotzdem die Bilanz … . Eine andere technische Maßnahme wäre Wirklich, Wasser, also Oberflächenwasser dann in diese Gebiet, wo es eben fehlt, zu bringen – wird auch in Kalifornien gemacht, wird in China jetzt auch in großem Stil geplant…

Blumenthal: Aber dann stelle ich mir das an einem konkreten Beispiel vor: In Indien, da gibt es, sagen wir Millionen oder Hunderttausende Nutzer, die mit ihren jeweiligen Brunnen dieses Grundwasserreservoir anzapfen. Wie wollen sie dort eine Lösung herbeiführen, dass der Speicher nicht weiter einfach nur leergepumpt wird, sondern sich wieder füllen kann?

Aeschbach-Hertig: Das ist genau so ein schwieriges Problem, wo man jetzt eben zum Beispiel auch mit legalen, also rechtlichen Mitteln nicht unbedingt zum Ziel kommt. Also man kann ein Limit setzen, wie viel gepumpt werden darf. Aber es sind wirklich Millionen von Kleinbauern, die da das Grundwasser nutzen. Und das kann man ja gar nicht wirklich kontrollieren. Ein interessanter Ansatz in Indien scheint mir über die Energie zu gehen. Also dieses Grundwasserpumpen ist nur möglich durch die Verfügbarkeit von Strom für elektrische Pumpen. Und der ist dort für die Bauern zum Teil kostenfrei oder sehr stark subventioniert. Und da müsste man über die Kosten nachdenken. Zum Teil wird auch wirklich Bereitstellung von Elektrizität rationiert in Indien, um einfach das Pumpen einzuschränken. Ganz wichtig scheint mir, dass man eben regional, dort, wo das Problem auftritt, die ganzen Beteiligten Personen an einen Tisch bringt sozusagen – die Landwirte, die großen Farmer, die eben sehr stark Wasser verbrauchen, die Wasserbehörden natürlich und so weiter. Dass man also eine gemeinsame Strategie entwickelt, sich ein Ziel setzt und das dann auch über die Zeit eben überprüft, ob das auch eingehalten werden kann. Also man kann mit Grundwassermodellen dann auch Vorhersagen machen: Wenn man so viel pumpt, wird sich der Wasserspiel so entwickeln. Und das muss man natürlich dann auch überprüfen, ob das wirklich eingehalten wird. Und das ist wahrscheinlich die beste Strategie. Das ist vielleicht auch wiederum nicht überall umsetzbar, wenn es wirklich eben so viele kleine Landwirte sind, dann wird das natürlich auch schwierig.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1926444/

19.11.2012 · 16:35 Uhr
Der Herbizid-Einsatz auf den Gentechnik-Flächen ist mittlerweile größer als auf Äckern mit konventionellen Sorten. (Bild: picture alliance / dpa / Patrick Pleul) Der Herbizid-Einsatz auf den Gentechnik-Flächen ist mittlerweile größer als auf Äckern mit konventionellen Sorten. (Bild: picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Mehr Gift gegen Resistenzen

Anbau gentechnisch behandelter Pflanzen in den USA führt zu mehr Pestizid-Einsatz

Von Lucian Haas

Botanik.- Seit 16 Jahren werden in den USA gentechnisch veränderte Mais-, Soja- und Baumwollsorten kommerziell angebaut. Viele Saatguthersteller geben an, dass der Einsatz transgener Pflanzen den Pestizideinsatz reduziert. Doch laut einer neuen Studie sieht die Realität mittlerweile anders aus.

Charles Benbrook war selbst überrascht, als er die Zahlen sah. Der Pflanzenschutzexperte von der Washington State University hat untersucht, wie sich der Pestizideinsatz auf den Flächen mit Gen-Mais, Gen-Soja und Gen-Baumwolle in den USA seit dem Start des Anbaus transgener Sorten 1996 entwickelt hat. Die Statistiken des US-Agrarministeriums dazu sind lückenhaft. Fehlende Daten ergänzte er deshalb auf Basis von Hochrechnungen mit Simulationsmodellen. Die Ergebnisse, im Fachmagazin „Environmental Sciences Europe“ erschienen, kratzen am Image einer umweltfreundlichen Grünen Gentechnik.

„Es gab einen kleinen Rückgang im Herbizid-Einsatz in den ersten vier oder fünf Jahren. Aber seit 2000 haben Veränderungen in den Unkrautgemeinschaften dazu geführt, dass der Herbizid-Einsatz auf den Gentechnik-Flächen mittlerweile größer ist als auf Äckern mit konventionellen Sorten. Und der Abstand wächst jedes Jahr.“

Allein 2011 seien in den USA 35.000 Tonnen mehr Unkrautvernichtungsmittel auf den Flächen mit transgenen Sorten ausgebracht worden als noch 2010, berichtet Charles Benbrook. Der Zuwachs sei mehr als doppelt so groß wie alle Einsparungen zwischen 1996 und 2002 zusammen. Als Triebfeder für diese Entwicklung nennt er den viel zu sorglosen, regelmäßigen Einsatz des Herbizids Glyphosat auf den Feldern. Glyphosat tötet normalerweise alle Pflanzen ab, bis auf die Feldfrüchte, die dank der Gentechnik dagegen immun sind. Mittlerweile haben in den USA aber auch schon 22 Unkrautarten auf natürliche Weise eine Resistenz entwickelt.

„Wenn die Farmer nicht sofort ihre Pflanzenschutzstrategien anpassen, werden sie immer größere Probleme mit dem Management glyphosat-resistenter Unkräuter bekommen. Die Verbreitung dieser Pflanzen auf den Feldern zwingt sie dazu, zusätzliche Herbizide einzusetzen, was die Kosten steigert.“

In einigen Regionen bereiten die glyphosat-resistenten Unkräuter den Farmern schon so große Probleme, dass sich die Bewirtschaftung der Felder kaum noch lohnt. Die Hersteller der transgenen Sorten setzen dennoch weiter auf das gleiche Rezept gegen die Unkräuter: Totspritzen – wenn nötig, mit zusätzlichen Wirkstoffen. Die Firma Dow AgroSciences hat beim US-Agrarministerium die Zulassung von neuen transgenen Maissorten beantragt, die neben Glyphosat auch gegen andere breit wirkende Herbizide wie 2,4-D oder Dicamba resistent sind. Charles Benbrook warnt vor dieser Entwicklung – und das nicht nur, weil es auch schon erste Unkrautarten gibt, denen das Gift 2,4-D nichts mehr anhaben kann.

„Das ist eine wirklich gefährliche und grundsätzlich falsche Strategie. Denn die Herbizide, die bei diesen neuen multi-herbizid-resistenten Sorten zum Einsatz kommen, gehören zu älteren, gefährlicheren Wirkstoffklassen, die ein viel größeres Risiko für Umwelt und Gesundheit darstellen.“

Auch ein Trend bei den sogenannten Bt-Pflanzen macht Charles Benbrook Sorgen. Bt ist ein Toxin des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis. Transgene Bt-Sorten enthalten die zugehörigen Bakteriengene, bilden den Giftstoff in ihren Blättern und können damit Fraßschädlinge wie den Maisstengelbohrer abwehren. Zwar hat der Anbau von Bt-Mais und Bt-Baumwolle in den USA dazu geführt, dass die versprühten Insektizidmengen heute um 56.000 Tonnen unter den Werten liegen, die mit konventionellen Sorten zu erwarten wären. Allerdings enthalten immer mehr gentechnisch veränderte Sorten mehrere Bt-Gene. Beim sogenannten Smart-Stax-Mais von Monsanto zum Beispiel sind es sechs. Entsprechend hoch sind die Wirkstoffmengen in den Blättern.

„Der Smart-Stax-Mais bildet pro Hektar 4,2 Kilogramm Bt-Toxine. Für den Menschen stellen die Rückstände dieser Toxine in der Nahrung kein Risiko dar. Aber wir sollten das stärker beobachten, gerade mit Blick auf ökologische Folgen etwa für die Gemeinschaft der Bodenmikroben geht.“

Wie viel Bt-Toxin aus den Ernterückständen solcher Pflanzen im Boden freigesetzt wird, und wie sich das langfristig auf das Bodenleben auswirkt, ist bisher kaum erforscht.

 

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„… die aktuell ergriffenen Maßnahmen, dem Klimawandel entgegen zu wirken, hätten für die Vielfalt der heimischen Agrarvögel verheerende Folgen.“

Manuskript eines Beitrages im DLF, Sendung Umwelt und Verbraucher, 08.10.2012

Als Audio.

Vögel versus Bauern?
Deutsche Ornithologen treffen sich in Saarbrücken
Von Tonia Koch

Anmod: Die Bestände von Vögeln, die auf landwirtschaftlichen Flächen siedeln, haben rapide
abgenommen. Zurückzuführen sei das laut NABU auch auf eine intensivere Nutzung des
Bodens. In Saarbrücken diskutierten deutsche Ornithologen über die Vogelbestände in
Deutschland. Und wir bleiben beim Thema Artenschutz und begeben uns in die Lüfte. Im Moment können wir hier in Deutschland ja wieder viele Zugvögel beobachten, die auf dem Weg in ihr Winterquartier sind. Und auf diesem Weg, haben die Vögel mit ziemlich vielen Herausforderungen zu kämpfen, zum Beispiel mit der industriellen Landwirtschaft. In Saarbrücken treffen sich bis heute die deutschen Ornithologen um über die Vögelbestände in Deutschland zu diskutieren. Die Zugvögel, die auf dem Weg in ihr Winterquartier sind, haben auf ihrem Flug mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. In Deutschland Tonia Koch hat sie getroffen und ist mit den Experten zu einem Rastplatz für die Zugvögel gefahren.

Beitrag:
Im Vogelschutzgebiet an der der unteren Saar bei Dillingen lässt der saarländische Naturschutzbund NABU einen Landeplatz für Zugvögel aufschütten, der ganze Stolz von Ulrich Layen. „Gebrütet haben erfolgreich dieses Jahr mehrere Krickentenpaare, viele Haubentaucher, Wasserralle, Graureiher weiter hinten. Also, wir sind zufrieden mit dem, was sich hier niederlässt, kann natürlich immer mehr werden. Aber wir haben auch erst angefangen mit den Umstrukturierungsmaßnahmen. Vielleicht kriegen wir ja so eine seltene Art wie die Zwergdommel, die ja bereits in Luxemburg brütet, hier hin, aber dafür muss mehr Schilf entstehen, Daumen drücken.“

Solche kleineren Erdbewegungen wie sie an den Dillinger Ökoseen vorgenommen werden, seien von Bedeutung, weil sie den Vögeln als sogenannte Trittsteine dienten, sagt der Präsident der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, Franz Bairlein. Das heißt diese Biotope sind zwar nicht groß genug, um einer Population über längere Zeit das Überleben zu sichern, aber sie reichen aus, um den notwendigen genetischen Austausch zu gewährleisten. Dass sich die Bestände an Wasservögeln in den vergangen Jahren deutlich erholt hätten, hinge eindeutig mit diesem lokalen Wirken zusammen. Trotzdem fordert Baierlein, die Anstrengungen auf kommunaler Ebene zu bündeln.

„Legt Flächen überkommunal zusammen, sodass man größere Maßnahmen vernünftiger machen kann, auch nachhaltiger machen kann als kleiner Maßnahmen, die immer einen höheren Pflegeaufwand bedeuten.“

Drastisch verschlechtert hat sich hingegen die Lebenssituation für Vögel, die auf landwirtschaftlichen Flächen siedeln, sogenannte Agrarvögel. Dazu zählen zum Beispiel die Feldlerche, das Rebhuhn, die Wachtel oder auch die Goldammer. Ihre Bestände nähmen rapide ab, sagt Martin Flade, Mitglied der Kommission Agrarvögel.

„Die haben keine Räume mehr, wo sie genug Nahrung finden, wo sie erfolgreich brüten können. Es gibt seit 2007 überhaupt keine Art mehr, die ihren Bestand noch halten kann in der Agrarlandschaft.“ Verantwortlich für diese Entwicklung sei die europäische Agrarpolitik, die immer intensivere Nutzung des Bodens durch den Anbau von Energiepflanzen wie etwa Mais und die Aufkündigung des Flächenstillegungsprogrammes der EU. Das Programm hatte den Landwirten bis 2007 Ausgleichzahlungen gewährt, wenn sie Flächen brach liegen ließen. Leider, so Flade, werde auch die geplante Agrarreform, die ab 2014 für die europäischen Bauern neue Regeln schafft, den bedrohten Feldvögeln nicht helfen.

Zwar sei vorgesehen, dass sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der EU als
ökologische Vorrangflächen ausgewiesen werden müssten, aber noch sei nicht definiert, wie stark die landwirtschaftliche Nutzung dieser Vorrangflächen tatsächlich eingeschränkt werde. Selbst wenn die EU weitreichende Nutzungsbeschränkungen erlasse, könne sich der Bestand an Agrarvögeln kaum mehr erholen, so Flade.

„Weil wir aus unseren Daten gesehen haben, dass wir erstens mindestens zehn Prozent Brachfläche brauchen in der Agrarlandschaft und zweitens auch diesen Maiszuwachs kompensieren müssen. Das heißt:  Selbst mit den sieben Prozent kann es nicht funktionieren.“
Den Klimawandel so der Ornithologe verkrafteten die Vögel – momentan zumindest – problemlos, nur die aktuell ergriffenen Maßnahmen, dem Klimawandel entgegen zu wirken, hätten für die Vielfalt der heimischen Agrarvögel verheerende Folgen.

© 2012 Deutschlandradio

Aus Öko-Test: TV-Tipp / Leserbriefe

Leserbriefe zum Glyphosat-Thema in der Ökotest:

(Infos von Tom)

„Allestöter Roundup verbieten „

Wichtige Online Petition des Umweltinstitutes München!

Passt gut dazu: die aktuelle Ökotest.

ÖKO-TEST September 2012

Hilferuf einer Pestizidgeschädigten

Ich gebe diesen Aufruf unkommentiert weiter (T0m):

Mein Name ist Gabriele Seydel. Vor 9 Jahren habe ich das Grundstück Etashof 1 in Hammelspring/Uckermark erworben, um mir hier eine Existenz aufzubauen. Das Grundstück ist ca. 1,5ha groß und ich habe hier viel Mühe, Geld und Arbeit investiert. Mittlerweile ist das Land biozertifiziert und ich lebe finanziell in erster Linie vom Verkauf von Wildkräutern, die auf meinem Hof wachsen. Außerdem habe ich über 40 „Gnaden“tiere, die hier leben: Ziegen, Gänse, Hühner, Kaninchen und eine Katze. „Hammel’s Hoffnung“ habe ich den Gnadenhof genannt.

Die Tiere finanziere ich ebenfalls hauptsächlich über den Wildkräuterverkauf. Des weiteren betreibe ich als Heilpraktikerin hier eine Naturheilpraxis; unentgeltlich oder allenfalls auf Spendenbasis.

Den Hof umgeben zur West- und Südseite hin 53ha (Größenangabe lt. Besitzer) am Rande des
Biosphärenreservats Schorfheide/Chorin liegendes, bis vor kurzem ebenfalls seit vielen Jahren biozertifiziertes Land, welches bis Montag, den 20.08.2012 seit 7 Jahren ausschließlich mit Luzerne, Klee, Löwenzahn und Ackerkräutern bewachsen war.
Am Rande dieses Ackers befindet sich einer meiner Ziegenausläufe.

Am Montag, dem 20. August 2012 wurde, ohne mich vorher darüber zu informieren, dieses Land mit dem Totalherbizid „Figaro“, einem Glyphosatpräparat (Fa. Belchin crop protection, Zulassungsinhaber: Monsanto), flächendeckernd totgespritzt. Es windete und regnete auch kurze Zeit nach der Ausbringung, und der Traktor zog große neblige Schwaden des Pestizids hinter sich her. Es stank heftig nach dem Mittel. Meine Ziegen standen in ihrem Auslauf am Ackerrand und ich war ca. 2 Stunden damit beschäftigt, sie aus dem Auslauf in die Hofmitte zu bringen, um sie vor weiterer Kontaminierung zu schützen.

Am Abend desselben Tages begannen bei mir erste Krankheitserscheinungen in Form von verstopfter Nase, Hals- und Rachenschmerzen, was sich innerhalb der nächsten Tage auch auf Kehlkopf und Lunge ausbreitete. Ab Dienstag, dem Tag nach der Spritzaktion, fingen auch die Tiere, die am dichtesten am Ackerrand gestanden hatten, an, krank zu werden. Am Dienstagabend verstarb eins der Tiere. Die anderen Tiere und ich (über)leben seither mit Hilfe von naturheilkundlichen Präparaten, die die Wirkung des Glyphosats im Körper abschwächen. Bis das Zeug endlich (hoffentlich) ausgeschieden ist. Da ich den Ziegenbock innerhalb kurzer Zeit an Vergiftungserscheinungen hatte versterben sehen, war ich doch mehrere Tage um mein eigenes Schicksal besorgt.

Was meine Wildkräuter betrifft, so habe ich Frau Prof. Krüger (Uni Leipzig), die an und über Glyphosat forscht, u.a. Boden- und Pflanzenproben zur Untersuchung geschickt, um sicherzustellen, dass ich meinen Wildkräuterkunden saubere, nichtkontaminierte Ware anbiete. Bis die Ergebnisse der Analysen da sind, ernte ich die Wildkräuter zum Verkauf bei einer benachbarten Biobäuerin. Der idelle Schaden, sowie das, was den 53ha Biotop zugefügt wurde, wird wohl noch eine Weile zur Heilung brauchen.

Was diese Seite der Angelegenheit betrifft, so handelte es sich um ein 53ha (lt. Besitzer) großes Biotop am Rande des Biosphärenreservats Schorfheide/Chorin, eine Zierde für die ganze Region. Mit Feldlerchen, Kranichsammelplatz, Heimstätte für Igel, Schmetterlings- u.a. Insektenarten und eine Augenweide bzgl. der Blütenpracht.

Jetzt ist das alles tot. An meinem Grundstücksrand breiten sich Spinnmilbe und Blattpilze aus, weil das natürliche Gleichgewicht zersört wurde. In der Dämmerung hole ich Igel vom Feld, die vergeblich ihre einstigen Futterplätze aufsuchen. Ein toter Fuchs liegt auf meinem Hof, vielleicht hat er zu viele vergiftete Mäuse gefressen.

Und dort, wo sonst tierisches und pflanzliches Leben ein Bild der Harmonie bot, sitzen jetzt Schwärme von Krähen auf dem zerstörten Land, um sich die vergifteten Würmer und Mäuse zu angeln. Ein Land, das solch ein kostbares Fleckchen Erde nicht imstande ist, zu schützen (z.B. auch durch entsprechende Gesetze), muss als armselig bezeichnet werden. In vielen anderen Bundesländern gibt es Gesetze zum Schutz von Flächen, die 10 Jahre und länger (unverändert) bestehen und zum Naturschutzgebiet geworden sind. Die Tiere wussten bisher auch nicht, wo das Biosphärenreservat endet und der Acker anfängt. Jetzt wissen sie es wohl. – Es ist ein Jammer.Ich werde in dieser Angelegenheit an die Öffentlichkeit gehen. Ich erwarte Gesetzesänderungen.

Ich erwarte, dass mein Grundstück, mein Leben und das meiner Tiere vor Vergiftung geschützt wird. Ich lege nicht den geringsten Wert auf irgendwelche sog. Pflanzen“schutz“mittel in Gestalt von Totalherbiziden um mich und meine Tiere herum.
Am Dienstag nach dem Spritzen waren zwei Schulklassen aus Berlin auf der Straße am Feld uterwegs. Es steht nicht mal ein Warnhinweis am Feldrand. Kinder rennen vielleicht mal auf die grüne Fläche oder stecken auch mal ein Blatt (oder mehrere) in den Mund. Wie weit soll das noch gehen mit der Unachtsamkeit? Auf dem Beipackzettel zu dem Herbizid steht, man darf die behandelten Flächen „bis zwei Tage nach der Ausbringung nur mit Schutzanzug und Schutzhandschuhen betreten. Gefahr ernster Augenschäden, reizt die Atmungsorgane, darf nicht in die Hände von Kindern gelangen …“
Sind diese Warnhinweise, die sogar der Hersteller selbst veröffentlicht, nicht wenigstens ein Warnschild für ahnungslose Spaziergänger oder Besucher der „Perle der Uckermark“ (→ mit dieser Bezeichnung wirbt Templin für sich.) wert??
Nun, der RBB, das Pestizidaktionsnetzwerk, der Brandenburger Landtag und die Uni Leipzig zeigen jedenfalls Interesse an dieser Geschichte. Hoffentlich zeigt sich auch die Uckermark selbst bald interessierter am Schutz ihrer wertvollsten Güter, nämlich den Naturschönheiten, wegen denen die Besucher diesen Landstrich aufsuchen.

Ich bin im Gespräch mit dem Besitzer des Ackers, der das Spritzen angeordnet hat. Er sagt, es ist ihm völlig egal, ob bio oder konventionell gewirtschaftet wird – ihm ginge es nur ums Geld.
Wenn ich bereit sei, pro Hektar 800,- € Ernteausfallkosten zu bezahlen, baut er auch wieder Klee an. (Das bedeutet für 15ha 12.000 €. Bis Ende September.) Ansonsten wird dort demnächst Roggen gesät und das Land Ende September zum zweiten Mal gespritzt. Mit Insektizid oder gegen Pilze. Im Frühjahr mit Halmverkürzer. Damit die Getreidehalme kürzer werden. U.s.w., mindestens 4x im Jahr. Das würde den Tod des Ackers bedeuten, vom Grundwasser gar nicht zu reden. Ein See ist auch in der Nähe.
Es ist mir nicht nachvollziehbar, wie jemand derart brutal mit einem Stück Erde, noch dazu einem Biotop, umgehen kann – ich würde mich niemals so verhalten. Allerdings verstehe ich, dass der Besitzer vom Ertrag seines Ackers (auch finanziell) leben will.

Wir müssen uns dafür einsetzen, dass das Ökoförderprogramm (ab 2014 Neuauflage vorgesehen) den Bauern wieder den finanziellen Anreiz bietet, ihr Land vernünftig und zum Wohle aller Lebewesen, die von und auf ihm leben, zu bewirtschaften. Wir müssen uns da politisch engagieren. Die Ämter haben bzgl. dieses Falles nur mit den Schultern gezuckt: keine rechtliche Handhabe. Es gibt bislang in Brandenburg kein Gesetz zum Schutz solcher Flächen, oder alter Bäume am Feldrand. Das Veterinäramt wollte auch den toten Ziegenbock nicht untersuchen. (Wegen Ohrmarken oder anderem Verwaltungskram stehen sie aber erfahrungsgemäß umgehend auf der Matte.)
Was die akute Situation betrifft, so bin ich ggf. bereit, dem Landbesitzer das Ernteausfallgeld zu zahlen, wenn ich dafür den Acker wieder in seine einstige Schönheit versetzen kann. Für die Pflanzen und Tiere würde ich das tun. Ich möchte auch um meinen Biohof einen Schutzgürtel von mindestens 50, besser noch 100m haben, wo auf keinen Fall gespritzt wird. Zum Wohle meiner Tiere und der Kräuter.

Ich bitte hiermit um eine Geldspende, um dieses Vorhaben zu verwirklichen und das Biotop für die Tiere und
Pflanzen wiederherzustellen. Das Geld wird der Landbesitzer erhalten. Damit er wieder Grünflächen anbaut. (Als „Bauern“ oder „Landwirt“ möchte ich ihn deshalb nicht bezeichnen, weil Bauern/Landwirte ihr Land lieben.)
Ich bitte für die Hasen und Igel und Feldlerchen und Käfer und für die vielen Wildblumen und die alten Bäume am Ackerrand. Und auch für mich und die Leute, die meinen Biohof aufsuchen.
Gleichzeitig ist es natürlich erforderlich, an die Öffentlichkeit/die Politik zu gehen, um auf die Mißstände bzgl. der Vergiftung des Bodens und unserer Nahrungsmittel aufmerksam zu machen. Auch muss der Staat im Interesse seiner Bürger in Zukunft die Kosten für Ökolandbau übernehmen. Denn einige wenige Engagierte allein können/wollen nicht ewig für die bundesweiten oder auch globalen Mißstände aufkommen. Die Mitarbeit der Politiker und vor allem der Bevölkerung, d.h. aller Menschen, die essen und trinken müssen, um zu leben, ist notwendig.

Ich danke allen, die sich beteiligen, herzlich für eine Spende zu o.g. Zweck unter der
Kto. Nr. 20 86 87 08
BLZ 15 09 17 04
Volksbank Uckermark
Zahlungsgrund: „Hilfe für Hammel’s Hoffnung“

Mit freundlichen Grüßen!
Gabriele Seydel
Gnadenhof „Hammel’s Hoffnung“ +
Fa. „Etashofer Wildkräuter“
Hammelspring

Email: gabriele.seydel@suska.org

P.S.: Eine vollständige Darstellung des Geschehenen (z.B. auch ein Telefonat mit „Monsato“, oder die
Schadensanzeige) sowie der weitere Verlauf der Aktion ist im Internet unter
(https://www.facebook.com/PestizideinHammelspring) zu finden.

 

 

Nach Gerswalde: Weiter so!

Hallo Leser/in,

dies wird der vorerst letzte Eintrag sein, den ich hier unterbringe. Wer Interesse hat, den Blog weiterzuführen (und der wird in Zukunft noch oft gebraucht), möchte sich bitte melden unter : .

Das Treffen der Initiative zur Vorstellung der Ergebnisse der Wasserproben durch BUND und NABU am 17.8.2012 in Gerswalde war spannend, aufregend und lehrreich.  Und gleichzeitig frustrierend. Es hat offensichtlich nichts genützt, daß eine junge Frau, von der ich nur den Vornamen weiß, einen Bauernverbandsfunktionär darüber aufklären mußte, wie das mit der Fruchtfolge genau funktioniert. Daß ein älterer Herr schimpft und brüllt, daß man ihm die Straße vor der Haustür mittels schwerem Gerät zur Biogasgewinnung kaputt fährt, aber niemand für diese Schäden aufkommen will. Es sind eben nicht nur die üblichen Öko-Fritzen und Berliner Möchtegern-Uckermärker, die hier auf ein Problem in der modernen Landwirtschaft hinweisen. Und trotz zitierter Studien, Untersuchungen, TV-Beiträgen und vor allem persönlicher Erfahrungen einiger Anwesender hält man das alles für maßlos überzogen. Halbwissen, vorsätzliche Täuschung etc pp. Im Grunde könnte mir das ganze Gezeter mittlerweile egal sein, denn ich weiß, die Natur holt sich ihr Terrain sowieso in ein paar Tausend Jahren wieder. Und wenn noch soviel Glyphosat den Acker runterfließt. Aber so ganz egal ist es mir eben nicht. Dafür gibt es mittlerweile zu viele Schauergeschichten zum Thema. Immerhin: Die Überwachung der Gewässer soll von Seiten des LELF nun regelmäßig erfolgen. Das haben wir erreicht. Die Hoffnung: Daß ideologiefrei nach vernünftigen, umweltgerechten Lösungen gesucht wird. Bis dahin müssen wir wohl weiter streiten. (Tom)

Hier ist die Info zur Gefährlichkeit von Glyphosat, die auf der Veranstaltung in Gerswalde verteilt wurde.

Protokoll des Abends von Beate Blahy.

Fazit und offener Brief an den Kreisbauernverband Uckermark und den Landesbauernverband von Sybilla Keitel.

Artikel in der Märkischen Oderzeitung zu den Probenergebnissen und zu unserer Initiative.

Zeitungsartikel im Uckermark Kurier zum Treffen.

Leserbrief von Tom Schweers dazu.

Zeitungsartikel des UK zu Vorwürfen des Landesbauernverbandes gegen BUND und NABU wegen der Wasserproben

Fazit und offener Brief an den Kreisbauernverband Uckermark und den Landesbauernverband von Sybilla Keitel.