DLF: „Pestizide schaden Bienen“

„Bundesregierung fordert EU-Entscheidung über den Einsatz der Chemikalien

Die EU-Agrarminister beraten über eine Studie der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Die bestärkt den Verdacht, dass drei Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Neonikotinoide für das verbreitete Bienensterben verantwortlich sind.“

Zum Radiobeitrag in Umwelt und Verbraucher vom 28.01.2013.

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SZ: „Unsinn, der auf Feldern wächst“

Kommentar zu Biosprit aus SZ-Online, 12.09.2012

„Zum Ausstieg aus der Biokraftstoff-Förderung gibt es keine Alternativen. Biokraftstoffe verfehlen die in sie gesetzten Hoffnungen gleich in mehrfacher Hinsicht. Inzwischen steht fest: Kraftstoffe vom Acker schaden nicht nur Umwelt und Klima, sondern verschärfen auch den Hunger in der Welt. Und Deutschland ist mit seinem Biospritdurst ein Teil davon.“

„Als einen der wichtigsten Kritikpunkte führt die EU nun die verfehlten Klimaschutzziele an. Dass Pflanzen beim Anbau so viel Kohlendioxid aufnehmen, wie später beim Verbrennen freigesetzt wird, ist nur ein Teil der Rechnung. Düngen, ernten, transportieren und verarbeiten ruinieren die Klimabilanz gründlich.“

Zum Artikel.

Als pdf.

Hilferuf einer Pestizidgeschädigten

Ich gebe diesen Aufruf unkommentiert weiter (T0m):

Mein Name ist Gabriele Seydel. Vor 9 Jahren habe ich das Grundstück Etashof 1 in Hammelspring/Uckermark erworben, um mir hier eine Existenz aufzubauen. Das Grundstück ist ca. 1,5ha groß und ich habe hier viel Mühe, Geld und Arbeit investiert. Mittlerweile ist das Land biozertifiziert und ich lebe finanziell in erster Linie vom Verkauf von Wildkräutern, die auf meinem Hof wachsen. Außerdem habe ich über 40 „Gnaden“tiere, die hier leben: Ziegen, Gänse, Hühner, Kaninchen und eine Katze. „Hammel’s Hoffnung“ habe ich den Gnadenhof genannt.

Die Tiere finanziere ich ebenfalls hauptsächlich über den Wildkräuterverkauf. Des weiteren betreibe ich als Heilpraktikerin hier eine Naturheilpraxis; unentgeltlich oder allenfalls auf Spendenbasis.

Den Hof umgeben zur West- und Südseite hin 53ha (Größenangabe lt. Besitzer) am Rande des
Biosphärenreservats Schorfheide/Chorin liegendes, bis vor kurzem ebenfalls seit vielen Jahren biozertifiziertes Land, welches bis Montag, den 20.08.2012 seit 7 Jahren ausschließlich mit Luzerne, Klee, Löwenzahn und Ackerkräutern bewachsen war.
Am Rande dieses Ackers befindet sich einer meiner Ziegenausläufe.

Am Montag, dem 20. August 2012 wurde, ohne mich vorher darüber zu informieren, dieses Land mit dem Totalherbizid „Figaro“, einem Glyphosatpräparat (Fa. Belchin crop protection, Zulassungsinhaber: Monsanto), flächendeckernd totgespritzt. Es windete und regnete auch kurze Zeit nach der Ausbringung, und der Traktor zog große neblige Schwaden des Pestizids hinter sich her. Es stank heftig nach dem Mittel. Meine Ziegen standen in ihrem Auslauf am Ackerrand und ich war ca. 2 Stunden damit beschäftigt, sie aus dem Auslauf in die Hofmitte zu bringen, um sie vor weiterer Kontaminierung zu schützen.

Am Abend desselben Tages begannen bei mir erste Krankheitserscheinungen in Form von verstopfter Nase, Hals- und Rachenschmerzen, was sich innerhalb der nächsten Tage auch auf Kehlkopf und Lunge ausbreitete. Ab Dienstag, dem Tag nach der Spritzaktion, fingen auch die Tiere, die am dichtesten am Ackerrand gestanden hatten, an, krank zu werden. Am Dienstagabend verstarb eins der Tiere. Die anderen Tiere und ich (über)leben seither mit Hilfe von naturheilkundlichen Präparaten, die die Wirkung des Glyphosats im Körper abschwächen. Bis das Zeug endlich (hoffentlich) ausgeschieden ist. Da ich den Ziegenbock innerhalb kurzer Zeit an Vergiftungserscheinungen hatte versterben sehen, war ich doch mehrere Tage um mein eigenes Schicksal besorgt.

Was meine Wildkräuter betrifft, so habe ich Frau Prof. Krüger (Uni Leipzig), die an und über Glyphosat forscht, u.a. Boden- und Pflanzenproben zur Untersuchung geschickt, um sicherzustellen, dass ich meinen Wildkräuterkunden saubere, nichtkontaminierte Ware anbiete. Bis die Ergebnisse der Analysen da sind, ernte ich die Wildkräuter zum Verkauf bei einer benachbarten Biobäuerin. Der idelle Schaden, sowie das, was den 53ha Biotop zugefügt wurde, wird wohl noch eine Weile zur Heilung brauchen.

Was diese Seite der Angelegenheit betrifft, so handelte es sich um ein 53ha (lt. Besitzer) großes Biotop am Rande des Biosphärenreservats Schorfheide/Chorin, eine Zierde für die ganze Region. Mit Feldlerchen, Kranichsammelplatz, Heimstätte für Igel, Schmetterlings- u.a. Insektenarten und eine Augenweide bzgl. der Blütenpracht.

Jetzt ist das alles tot. An meinem Grundstücksrand breiten sich Spinnmilbe und Blattpilze aus, weil das natürliche Gleichgewicht zersört wurde. In der Dämmerung hole ich Igel vom Feld, die vergeblich ihre einstigen Futterplätze aufsuchen. Ein toter Fuchs liegt auf meinem Hof, vielleicht hat er zu viele vergiftete Mäuse gefressen.

Und dort, wo sonst tierisches und pflanzliches Leben ein Bild der Harmonie bot, sitzen jetzt Schwärme von Krähen auf dem zerstörten Land, um sich die vergifteten Würmer und Mäuse zu angeln. Ein Land, das solch ein kostbares Fleckchen Erde nicht imstande ist, zu schützen (z.B. auch durch entsprechende Gesetze), muss als armselig bezeichnet werden. In vielen anderen Bundesländern gibt es Gesetze zum Schutz von Flächen, die 10 Jahre und länger (unverändert) bestehen und zum Naturschutzgebiet geworden sind. Die Tiere wussten bisher auch nicht, wo das Biosphärenreservat endet und der Acker anfängt. Jetzt wissen sie es wohl. – Es ist ein Jammer.Ich werde in dieser Angelegenheit an die Öffentlichkeit gehen. Ich erwarte Gesetzesänderungen.

Ich erwarte, dass mein Grundstück, mein Leben und das meiner Tiere vor Vergiftung geschützt wird. Ich lege nicht den geringsten Wert auf irgendwelche sog. Pflanzen“schutz“mittel in Gestalt von Totalherbiziden um mich und meine Tiere herum.
Am Dienstag nach dem Spritzen waren zwei Schulklassen aus Berlin auf der Straße am Feld uterwegs. Es steht nicht mal ein Warnhinweis am Feldrand. Kinder rennen vielleicht mal auf die grüne Fläche oder stecken auch mal ein Blatt (oder mehrere) in den Mund. Wie weit soll das noch gehen mit der Unachtsamkeit? Auf dem Beipackzettel zu dem Herbizid steht, man darf die behandelten Flächen „bis zwei Tage nach der Ausbringung nur mit Schutzanzug und Schutzhandschuhen betreten. Gefahr ernster Augenschäden, reizt die Atmungsorgane, darf nicht in die Hände von Kindern gelangen …“
Sind diese Warnhinweise, die sogar der Hersteller selbst veröffentlicht, nicht wenigstens ein Warnschild für ahnungslose Spaziergänger oder Besucher der „Perle der Uckermark“ (→ mit dieser Bezeichnung wirbt Templin für sich.) wert??
Nun, der RBB, das Pestizidaktionsnetzwerk, der Brandenburger Landtag und die Uni Leipzig zeigen jedenfalls Interesse an dieser Geschichte. Hoffentlich zeigt sich auch die Uckermark selbst bald interessierter am Schutz ihrer wertvollsten Güter, nämlich den Naturschönheiten, wegen denen die Besucher diesen Landstrich aufsuchen.

Ich bin im Gespräch mit dem Besitzer des Ackers, der das Spritzen angeordnet hat. Er sagt, es ist ihm völlig egal, ob bio oder konventionell gewirtschaftet wird – ihm ginge es nur ums Geld.
Wenn ich bereit sei, pro Hektar 800,- € Ernteausfallkosten zu bezahlen, baut er auch wieder Klee an. (Das bedeutet für 15ha 12.000 €. Bis Ende September.) Ansonsten wird dort demnächst Roggen gesät und das Land Ende September zum zweiten Mal gespritzt. Mit Insektizid oder gegen Pilze. Im Frühjahr mit Halmverkürzer. Damit die Getreidehalme kürzer werden. U.s.w., mindestens 4x im Jahr. Das würde den Tod des Ackers bedeuten, vom Grundwasser gar nicht zu reden. Ein See ist auch in der Nähe.
Es ist mir nicht nachvollziehbar, wie jemand derart brutal mit einem Stück Erde, noch dazu einem Biotop, umgehen kann – ich würde mich niemals so verhalten. Allerdings verstehe ich, dass der Besitzer vom Ertrag seines Ackers (auch finanziell) leben will.

Wir müssen uns dafür einsetzen, dass das Ökoförderprogramm (ab 2014 Neuauflage vorgesehen) den Bauern wieder den finanziellen Anreiz bietet, ihr Land vernünftig und zum Wohle aller Lebewesen, die von und auf ihm leben, zu bewirtschaften. Wir müssen uns da politisch engagieren. Die Ämter haben bzgl. dieses Falles nur mit den Schultern gezuckt: keine rechtliche Handhabe. Es gibt bislang in Brandenburg kein Gesetz zum Schutz solcher Flächen, oder alter Bäume am Feldrand. Das Veterinäramt wollte auch den toten Ziegenbock nicht untersuchen. (Wegen Ohrmarken oder anderem Verwaltungskram stehen sie aber erfahrungsgemäß umgehend auf der Matte.)
Was die akute Situation betrifft, so bin ich ggf. bereit, dem Landbesitzer das Ernteausfallgeld zu zahlen, wenn ich dafür den Acker wieder in seine einstige Schönheit versetzen kann. Für die Pflanzen und Tiere würde ich das tun. Ich möchte auch um meinen Biohof einen Schutzgürtel von mindestens 50, besser noch 100m haben, wo auf keinen Fall gespritzt wird. Zum Wohle meiner Tiere und der Kräuter.

Ich bitte hiermit um eine Geldspende, um dieses Vorhaben zu verwirklichen und das Biotop für die Tiere und
Pflanzen wiederherzustellen. Das Geld wird der Landbesitzer erhalten. Damit er wieder Grünflächen anbaut. (Als „Bauern“ oder „Landwirt“ möchte ich ihn deshalb nicht bezeichnen, weil Bauern/Landwirte ihr Land lieben.)
Ich bitte für die Hasen und Igel und Feldlerchen und Käfer und für die vielen Wildblumen und die alten Bäume am Ackerrand. Und auch für mich und die Leute, die meinen Biohof aufsuchen.
Gleichzeitig ist es natürlich erforderlich, an die Öffentlichkeit/die Politik zu gehen, um auf die Mißstände bzgl. der Vergiftung des Bodens und unserer Nahrungsmittel aufmerksam zu machen. Auch muss der Staat im Interesse seiner Bürger in Zukunft die Kosten für Ökolandbau übernehmen. Denn einige wenige Engagierte allein können/wollen nicht ewig für die bundesweiten oder auch globalen Mißstände aufkommen. Die Mitarbeit der Politiker und vor allem der Bevölkerung, d.h. aller Menschen, die essen und trinken müssen, um zu leben, ist notwendig.

Ich danke allen, die sich beteiligen, herzlich für eine Spende zu o.g. Zweck unter der
Kto. Nr. 20 86 87 08
BLZ 15 09 17 04
Volksbank Uckermark
Zahlungsgrund: „Hilfe für Hammel’s Hoffnung“

Mit freundlichen Grüßen!
Gabriele Seydel
Gnadenhof „Hammel’s Hoffnung“ +
Fa. „Etashofer Wildkräuter“
Hammelspring

Email: gabriele.seydel@suska.org

P.S.: Eine vollständige Darstellung des Geschehenen (z.B. auch ein Telefonat mit „Monsato“, oder die
Schadensanzeige) sowie der weitere Verlauf der Aktion ist im Internet unter
(https://www.facebook.com/PestizideinHammelspring) zu finden.

 

 

Fr, 17.8.12: Treffen der Initiative in Gerswalde!!

18.00 Uhr in Gerswalde: Versammlung zur offiziellen Vorstellung der Ergebnisse der Wasserbeprobung!

Kommt zahlreich zur offiziellen Bekanntmachung der Ergebnisse der
Beprobung durch BUND und NABU. So wie es aussieht, haben sich die
Befürchtungen vielfach bestätigt.

Da das Thema Pestizide momentan durch Presseberichte und auch nationalen
wie internationalen Studien wie selten zuvor in den Focus gerückt ist,
ist jetzt die Gelegenheit günstig, vereint nach Lösungen und
Alternativen zu suchen. Und zwar mit allen Beteiligten. So haben wir
selbst schon fruchtbare und konstruktive Gespräche mit dem in Jakobshagen tätigen Landwirt führen können.

Anbei das Flugblatt zur Veranstaltung zum Ausdrucken, Auslegen und
Weitermailen.

Schaut Euch zur Vorbereitung den Glyphosat-Beitrag der Sendung Fakt an. Siehe vorhergehender Post.

 

Gruß
Tom, Sybilla, Gert

TV Beitrag: Glyphosat im Menschen angekommen? Update

Einige haben schön ferngesehen, dabei einen guten Beitrag zum Thema Glyphosat entdeckt und möchten den Link aus der Mediathek nun weitergeben.


Tragen wir Unkrautvernichtungsmittel in uns?

Glyphosat ist das meist benutzte Unkrautvernichtungsmittel der Welt und es könnte sein, dass es Menschen mittlerweile in sich tragen. Darauf deuten Studien der Uni Leipzig hin.

hier:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/fakt/tragen-wir-unkrautvernichtungsmittel-in-uns?documentId=11409024

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Auch 3sat berichte in seinem Magazin nano über dieses Thema:


Umstrittenes Herbizid
Forscher finden Pflanzengift in Mensch und Tier: „Es kann nicht sein, dass wir Gift spritzen, das wir Verbraucher essen, damit der Bauer es ein bisschen leichter hat“, sagt Anja Sobczak vom Umweltinstitut München e.V..

Hier zum Film in der 3sat-Mediathek.

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Und auch wichtig:


Pressemitteilung der Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm von Bündnis 90/Die Grünen

15. August 2012

Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel auch in Deutschland verbieten

Frankreich geht mit gutem Beispiel voran

Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Bündnis 90/Die Grünen) fordert ein Verbot von Neonicotinoiden auch in Deutschland.

Das Französische Agrarinstitut INRA hat nachgewiesen, dass die sogenannten Neonicotinoide das Orientierungssystem der Bienen massiv schädigen. Zudem schwächen diese Insektizide das Immunsystem der Bienen. Dadurch sind die Bienen anfälliger für Krankheitserreger. „Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier. Das massive Sterben von Bienenvölkern ist ein deutlicher Indikator dafür, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblichen ökologischen Schaden verursacht,“ erklärt Cornelia Behm. Sie befürchtet, dass neben den gut dokumentierten Bienenvölkern auch zahllose andere Organismen durch die Neonicotinoid-Nervengifte geschädigt werden. „Bündnis 90/Die Grünen fordern seit langem, dass bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln langfristige Folgen für Tiere untersucht werden müssen. Doch bislang hat die Bundesregierung tatenlos zugesehen. Ministerin Aigner sollte nun dem Beispiel Frankreichs folgen,“ fordert Behm.

Der französische Landwirtschaftsminister Stephane Le Foll hat das Beizmittels „Cruiser OSR“ der Firma Syngenta mit dem bienengiftigen Wirkstoff Thiamethoxam verboten. „Wenn ein großes europäisches Land neueste Ergebnisse vorlegt und ein Verbot ausspricht, dann sollte auch die Bundesregierung nicht länger zögern.“ Neben einem Verbot solcher Stoffe kann perspektivisch nur die Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft und des ökologischen Landbaus – im Rahmen der Agrar-Reform – Bienen und anderen gefährdeten Arten eine Überlebensperspektive geben.

Neonicotinoide sind Nervengifte und gehören zu den Insektiziden. Sie stehen durch eine Reihe aktueller Studien in dringendem Verdacht, Bienenvölker auch durch nicht-tödliche Wirkungen massiv zu schädigen. Bereits 2008 konnte nachgewiesen werden, dass der Wirkstoff Clothianidin im Rheintal zum Bienensterben führte.


Britta Duille
BürgerInnenbüro Cornelia Behm MdB
Jägerstr. 18
14467 Potsdam

Tel: 0331 / 887 10 56
Fax: 0331 / 887 10 55
cornelia.behm@wk.bundestag.de

www.cornelia-behm.de

Harald Ebner, MdB (Bündnis 90/Die Grünen): „Die Bundesregierung … lässt Imker im Regen stehen.“

Hier die Original-Presseerklärung:

Pressemitteilung von Harald Ebner, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) vom 13.07.2012
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Bundesregierung ignoriert Gefahren von Pestiziden für Bienen

Berlin, 13.07.2012: Zur Beantwortung der Kleinen Anfrage „Neue Erkenntnisse zu und Neubewertung von Gefahren durch Neonicotinoide und weitere Pestizide für Bienen und andere Insekten“ der grünen Bundestagsfraktion erklärt Harald Ebner, Sprecher für Agrogentechnik:

Das mangelhafte Problembewusstein der Bundesregierung ist erschreckend. Bienen werden regelmäßig gefährlichen Pestiziden ausgesetzt, um z. B. Rapsfelder vor Pilzerkrankungen zu schützen. Das ist für die Bundesregierung nach eigener Aussage eine „unvermeidbare“ Konsequenz. Pflanzenschutzmittel können so zum normalen Bestandteil von Rapshonig werden. Mit dieser Laissez-faire-Haltung setzt Schwarz-Gelb den deutschen Honig als sauberes Naturprodukt unnötig aufs Spiel.

Mangelhafte Daten und Forschungslücken zu Gefahren durch Neonicotinoide sind für die Bundesregierung kein Anlass, Informationsdefizite anzugehen. Ihr Motto ist offenbar: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“ Leider wurden in den letzten zehn Jahren 500 mal mehr Steuergelder aus dem Bundeshaushalt für die Agrogentechnik ausgegeben als für den Bienenschutz.

Die Bundesregierung setzt Bienen unnötigen Risiken durch Neonicotinoide aus und lässt Imker im Regen stehen. Weder existieren umfassende Schutzmaßnahmen oder Monitorings, noch werden die Imker ausreichend über den Einsatz von bienengefährlichen Pestiziden informiert. Und statt wie in Frankreich giftige Rapsbeizmittel zu verbieten, lässt Aigner seit Jahren Ausnahmegenehmigungen für Neonicotinoide zu.

Unbequeme Forschungsergebnisse hört und liest die Bundesregierung ungern. Anstatt sich mit kritischen Studien auseinanderzusetzen, wischt sie deren Ergebnisse mit nicht nachvollziehbaren Vorwürfen wie methodische Mängel vom Tisch. Gleichzeitig stört es die Bundesregierung aber nicht, wenn  Pestizidhersteller an öffentlichen Forschungsprojekten beteiligt sind.

Pestizidbelastungen, insbesondere durch Neonicotinoide, sind Alarmzeichen, die uns nachdenklich machen müssen. Mit ihrer jetzt erneut bestätigten Ignoranz gegenüber möglichen Risiken von Pestiziden setzt die Bundesregierung in verantwortungsloser Weise die biologische Vielfalt und die Existenz von Hobby- und Berufsimkern aufs Spiel. Nur eine bienenfreundliche Landwirtschaft ist letztlich auch eine menschenfreundliche Landwirtschaft.

Hintergrund: Neonicotinoide sind eine Gruppe hochwirksamer neurotoxischer Pestizide, die seit zwei Jahrzehnten zunehmend in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Die besondere Gefährdung von Bienen durch diese Pestizide wurde im Jahr 2008 im Zusammenhang mit dem Bienensterben in der Oberrheinebene deutlich, bei dem zehntausende Bienenvölker durch Abriebstaub von (mit Clothianidin) gebeiztem Maissaatgut vergiftet wurden.

Die vielfältigen toxischen Auswirkungen von Neonicotinoiden auf Bienen und andere Insekten sind mittlerweile durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Auch geringe Giftmengen unterhalb der tödlichen Vergiftungsdosis können für Insekten fatale Auswirkungen haben. Besonders besorgniserregend sind Studien, wonach die Wirkung von Neonicotinoide irreversibel ist und damit über längere Zeiträume im Ausmaß kumuliert, was auch bei geringen Einzeldosen mittelfristig zu schweren chronischen Vergiftungen bei Insekten führen kann.

Die Antworten auf die Kleine Anfrage zu den Gefahren von Neonicotinoiden für Bienen können Sie hier herunterladen http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/102/1710218.pdf. Eine ausführliche Bewertung der Antworten finden Sie auf folgender Seite http://harald-ebner.de/userspace/BV/harald_ebner/Dokumente/Bewertung_KA_Neonicotinoide.pdf

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Sönke Guttenberg
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Büro Harald Ebner, MdB
Sprecher für Agrogentechnik
Fraktion BÜNDNIS 90/Die Grünen
http://www.harald-ebner.de

Artikel: „Die sickernde Gefahr“

Artikel im General-Anzeiger für Ostfriesland und Emsland:

„Mehr Biogas-Anlagen, mehr Maisanbauflächen, die teils sehr stark gedüngt werden: Dadurch kann mehr Nitrat ins Grundwasser gelangen. Die Menge ist aktuell noch nicht kritisch, kann langfristig aber zum Problem werden.“

Hier als pdf.

Konferenz „Vielfalt statt Monokulturen – Auswege für Brandenburg aus der Krise der Biomassenutzung“

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