DLF: „Pestizide schaden Bienen“

„Bundesregierung fordert EU-Entscheidung über den Einsatz der Chemikalien

Die EU-Agrarminister beraten über eine Studie der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Die bestärkt den Verdacht, dass drei Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Neonikotinoide für das verbreitete Bienensterben verantwortlich sind.“

Zum Radiobeitrag in Umwelt und Verbraucher vom 28.01.2013.

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Artikel: „Wider die „gute fachliche Praxis““

Artikel aus den Potsdamer Neueste Nachrichten zur Konferenz “Vielfalt statt Monokulturen – Auswege für Brandenburg aus der Krise der Biomassenutzung”. Zur Internetseite der Zeitung mit diesem Artikel.

 

Mais-Anbau Wider die „gute fachliche Praxis“
von Matthias Matern

Vermaisung in Brandenburg. Derzeit steht Mais auf etwa 190 000 Hektar der vorhandenen Getreideanbaufläche in der Mark. Das sind etwa 35 Prozent. Naturschützer und Brandenburgs Grüne fordern strengere Regeln für den Anbau.

Der Anbau von Energie-Mais hat enorm zugelegt – mit negativen Folgen für die Umwelt, meinen Naturschützer und fordern strengere Regeln

Potsdam – Naturschützer und Brandenburgs Grüne fordern strengere Regeln für den Anbau von Mais zur Energiegewinnung. Durch die zunehmenden Vermaisung der Landschaft würden die Artenvielfalt bedroht und Ackerböden übermäßig strapaziert, kritisiert die Agrarexpertin der Grünen-Fraktion im Landtag, Sabine Niels. Der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Axel Kruschat, wirft der rot-roten Landesregierung dabei Versäumnisse vor. Mit der Überarbeitung des Landesnaturschutzgesetzes böte sich derzeit die Gelegenheit, wichtige Vorgaben festzuschreiben. „Die Landesregierung kennt die Probleme beim Anbau von Energiemais, ist aber offenbar nicht willig, Konsequenzen zu ziehen“, sagt Kruschat.

Dringend erforderlich ist aus Sicht von Niels und Kruschat eine klare Definition der sogenannten „guten fachlichen Praxis“ im Gesetz. Bislang werde den Landwirten durch diese schwammige Formulierung bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen weitgehend freie Hand gelassen, erläutert Kruschat. Doch gerade beim Anbau von Mais würden häufig Grundsätze der Landwirtschaft wie die Fruchtfolge missachtet. „Es gibt Flächen, auf denen fünf Jahre in Folge nur Mais angebaut wird“, berichtet der BUND-Landeschef. Die Folge seien ausgelaugte Böden und eine hohe Erosionsgefahr. Auch würden häufig enorme Mengen von Totalherbiziden eingesetzt und somit Lebensräume für Insekten und andere Tier- und Pflanzenarten vernichtet. „Diese Gifte gelangen auch ins Grundwasser, wie der Fall in der Uckermark zeigt.“ Wie berichtet hatten Anwohner in Stabeshöhe im vergangenen Jahr Proben eines Tümpels in einem Maisfeld untersuchen lassen. Dabei wurden bei einigen Stoffen eine erhebliche Überschreitung der Grenzwerte festgestellt und sogar verbotene Pflanzengifte gefunden. Deshalb ist Kruschat der Meinung, die Einhaltung der Fruchtfolge oder etwa regelmäßige Kontrollen der Humusschicht auf den Äckern müssten in der Novelle des brandenburgischen Naturschutzgesetzes als „gute fachliche Praxis“ festgeschrieben werden. Zumal davon auszugehen sei, dass die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen weiter steige, meint Axel Kruschat. Das überarbeitete Naturschutzgesetz wurde im November 2011 vom Kabinett verabschiedet und im Dezember erstmals im Landtag diskutiert. Eine Entscheidung steht noch aus. Die Grünen-Fraktion will bald eigene Vorschläge für strengere Regeln vorlegen.

Zumindest in den vergangenen Jahren hat der Mais-Anbau in Brandenburg deutlich zugenommen. Derzeit steht auf etwa 190 000 Hektar Mais. Das sind etwa 35 Prozent der vorhandenen Getreideanbaufläche. Noch 2011 wurde nur auf 167 000 Hektar Mais angebaut. Im Jahr davor waren es noch acht Prozent weniger. Nach Schätzungen von Experten werden etwa 30 Prozent des Mais energetischen genutzt. Auffällig ist die hohe Konzentration der Plantagen im unmittelbaren Umfeld großer Biogasanlagen. Auch deren Zahl hat deutlich zugenommen: 2005 waren es 34, heute gibt es landesweit etwa 280. Angaben des Fachverband Biogas Berlin-Brandenburg wird nur rund ein Drittel von den Landwirten selbst betrieben. Der größte Teil ist in der Hand von Fondsgesellschaften. Allein 51 landwirtschaftsfremde Investoren seien landesweit aktiv.

Für die Landesregierung ist die Biomassenutzung ein wichtiger Baustein ihrer Energiestrategie. Elf Prozent der Energie sollen bis 2030 aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Günter Hälsig, Abteilungsleiter im Umweltministerium, aber teilt die fachliche Meinung von Naturschützer Kruschat in vielen Punkten. „Es gibt eine Vermaisung der Landschaft vor allem nahe großer Biogasanlagen und der Anbau von Mais in Monokulturen beeinflusst die Artenvielfalt negativ“, sagt auch Hälsig. Ob jedoch eine klare Definition der „guten fachlichen Praxis“ hilft, bezweifelt er. Dies sei zwar möglich, hänge aber vom politischen Willen ab. Die Frage nach den dann erforderlichen Kontrollen und möglichen Sanktionen seien damit jedoch noch nicht geklärt.

 

Einwohnerversammlung in Jakobshagen zum Stabeshöher Söll – Kommt zahlreich!

Bei der Gemeinderatssitzung am 02.11.2011 ging es auch um das Thema Stabeshöher Söll.
Damals wurde der Bürgermeister der Gemeinde Boitzenburger Land Bernhardt Rengert mit einer Einwohnerversammlung in Jakobshagen beauftragt.

Nun steht der Termin dazu fest. Hier der Wortlaut der amtlichen Bekanntmachung:

Einladung zur Einwohnerversammlung in Jakobshagen

Zur Einwohnerversammlung in Form eines Rundtischgespräches wird hiermit

am 05. März 2012 um 18:00 Uhr

in das Gemeindehaus Jakobshagen eingeladen.

Im offenen, konstruktiven Dialog soll durch fachkompetente Vertreter aus den Bereichen Umwelt und
Naturschutz sowie vom Bauernverband Auskunft zu Ursachen, Auswirkungen und eingeleiteten Maßnahmen
bezüglich der zur Anzeige gebrachten Belastungen eines Solls bei Stabeshöhe gegeben werden.

gez. Rengert      gez. Wullstein
Bürgermeister    Ortsvorsteher

Derartige Termine und weitere Informationen finden sich auf der Seite der Gemeinde Boitzenburger Land.

„Wohin mit den Proben?“ – Update!

lautet eine Frage, die sich nach dem Treffen in Gerswalde ergab. Zur Erinnernung: Alle Teilnehmer wurden aufgefordert, bei Verdacht auf Belastung, Proben aus Söllen zu ziehen.

Es gibt zwei Möglichkeiten:

1. Bei den Behörden einfordern, dass sie eine Analyse auf ihre Kosten durchführen, weil es den begründeten Verdacht gibt, dass es ähnlich hohe Belastungen wie in Stabeshöhe gibt. Siehe dazu Anleitung/Vordruck.

2. Selber auf eigene Kosten eine Analyse durchführen lassen. Dazu am besten in der Apotheke ein steriles Fläschchen für 100 ml kaufen. Dieses direkt im Soll befüllen und bei SOFIA in Berlin nach Pestizidscreening – LC/MS/MS (Meth.-Id.: W_D) und Derivatisierung / LC-MS/MS (Meth.-Id.: W_G) analysieren lassen. Der Preis dürfte um 400,- EUR liegen. Mit dem dann vorliegenden Ergebnis kann man die unter 1. genannten Behörden alarmieren und Strafanzeige nach dem Umweltschadensgesetz bei der Staatsanwaltschaft stellen.

Im Moment dürfte man allerdings kaum Pestizide finden. Die sind seit dem letzten Spritzen weitgehend zerfallen oder verdünnt. Am besten macht man das, wenn es nach erneutem Spritzen kräftig geregnet hat. Das dürfte im Frühsommer der Fall sein. Persönliche Beobachtungen helfen, den besten Zeitpunkt zu finden.

Noch ein Nachtrag von Dr.Anita Schwaier:

Probennahme in Eigenregie:
nach Rücksprache mit SOFIA sind für die Analyse 2 Liter erforderlich, und zwar in Glasflaschen, die vorher mit dem Probenwasser gründlich ausgespült wurden, d.h. mit geschlossenem Schraubverschluss ca. 1 Minute geschwenkt/geschüttelt. Danach müssen die vollen Flaschen noch am selben Tag nach Berlin ins Labor von SOFIA gebracht werden. Vorher muss man überlegen, auf was man untersuchen lassen will.
Datum, Uhrzeit und genaue Lage der Entnahmestelle aufschreiben!

Dreikönigstreffen in der Presse

Es gibt jetzt auch einen Film zum Dreikönigstreffen von UckermarkTV:

Belastung durch Pestizide: Besorgte Bürger treffen sich

In der Potsdamer Neuen Presse, der Berliner Zeitung und anderen erschien der Artikel:

BUND will notfalls Laborkosten zahlen

Auch der Uckermark Kurier berichtete am 10.Januar:

Weitere Berichte hier: Dreikönigstreffen –  Zusammenfassung

Drängende Fragen an die zuständigen Behörden

Der Rechtsanwalt Ulrich Werner hat am 15.12.11 beim LUGV* im Namen von Sybilla Keitel und Gert Müller einen Antrag auf naturschutzrechtliches Einschreiten und Anordnung einer Sanierung eingereicht. Der Antrag schließt mit den Worten:

„Sofern das LUGV der vorgenannten Auffassung nicht folgt, wird um Übersendung einer Prüfung  gebeten,  mittels  derer  mit  den  besten  wissenschaftlichen  Erkenntnissen  nachgewiesen ist,  dass  der  Einsatz  von  Pestiziden  im  FFH-Gebiet**  „Klaushagen“  unter  Berücksichtigung sämtlicher  in  Betracht  kommenden  Wirkpfade  und  Wechselwirkungen  nicht  zu  einer Beeinträchtigung der Erhaltungsziele des FFH-Gebietes „Klaushagen“ führen kann. “

Der komplette Schriftsatz hier.

Am gleichen Tage wurde ebenfalls von Herrn Werner ein Fragenkatalog zum Sachstandsbericht des LELF*** über die Belastung des Sölls in Stabeshöhe verfasst.

Der Tenor:

„Aus rechtlicher Sicht ist es verfehlt, den Pestizideinsatz und die gravierenden Auswirkungen für die Umwelt lediglich am Maßstab des Pflanzenschutzrechtes bzw. einer ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Nutzung zu bewerten. Demzufolge greifen die von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen nach meiner Auffassung zu kurz.“

Dieses Schreiben könnt ihr hier einsehen.

*Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg

**FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen. (Q: Wikipedia)

***Landesamt für ländliche Entwicklung,  Landwirtschaft und Flurneuordnung

Gutachten zu Stabeshöher Soll (Update)

Dr. rer. nat. Anita Schwaier, Toxikologin i.R. hat sich die Mühe gemacht, ein sehr ausführliches Gutachten zu den Pestiziden im Soll bei Stabeshöhe zu verfassen. Es wurde anwaltlich mit einem entsprechenden Schriftsatz an das LUGV (Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz) geleitet. Hier.

Dr.Schwaier hat noch eine Anmerkung hinzugefügt:

„Ich hatte auf Seite 17 meines Gutachtens zur Ökotoxikologischen Belastung in Stabeshöhe einen Anbauverzicht auf Flächen mit einem Gefälle von 7% oder mehr gefordert. Diese Zahl hatte ich nicht begründet. Ich habe die Quelle jetzt wieder gefunden: Bei einer Hangneigung ab 7% gilt die Fläche nach Angabe des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten des Landes Schleswig-Holstein (Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum III) als erosionsgefährdet. Sie sollten daher nicht mit Mais bepflanzt werden. Anita Schwaier, Altkünkendorf“

Uckermark Kurier zum ersten Treffen betroffener Bürger

Nach den drastischen Analyseergebnissen im Stabeshöher Söll.

Der Uckermark Kurier berichtet über das erste Treffen besorgter Bürger aus Jakobshagen und Umgebung und zitiert den erarbeiteten Forderungskatalog an die Behörden. Hier.