„… die aktuell ergriffenen Maßnahmen, dem Klimawandel entgegen zu wirken, hätten für die Vielfalt der heimischen Agrarvögel verheerende Folgen.“

Manuskript eines Beitrages im DLF, Sendung Umwelt und Verbraucher, 08.10.2012

Als Audio.

Vögel versus Bauern?
Deutsche Ornithologen treffen sich in Saarbrücken
Von Tonia Koch

Anmod: Die Bestände von Vögeln, die auf landwirtschaftlichen Flächen siedeln, haben rapide
abgenommen. Zurückzuführen sei das laut NABU auch auf eine intensivere Nutzung des
Bodens. In Saarbrücken diskutierten deutsche Ornithologen über die Vogelbestände in
Deutschland. Und wir bleiben beim Thema Artenschutz und begeben uns in die Lüfte. Im Moment können wir hier in Deutschland ja wieder viele Zugvögel beobachten, die auf dem Weg in ihr Winterquartier sind. Und auf diesem Weg, haben die Vögel mit ziemlich vielen Herausforderungen zu kämpfen, zum Beispiel mit der industriellen Landwirtschaft. In Saarbrücken treffen sich bis heute die deutschen Ornithologen um über die Vögelbestände in Deutschland zu diskutieren. Die Zugvögel, die auf dem Weg in ihr Winterquartier sind, haben auf ihrem Flug mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. In Deutschland Tonia Koch hat sie getroffen und ist mit den Experten zu einem Rastplatz für die Zugvögel gefahren.

Beitrag:
Im Vogelschutzgebiet an der der unteren Saar bei Dillingen lässt der saarländische Naturschutzbund NABU einen Landeplatz für Zugvögel aufschütten, der ganze Stolz von Ulrich Layen. „Gebrütet haben erfolgreich dieses Jahr mehrere Krickentenpaare, viele Haubentaucher, Wasserralle, Graureiher weiter hinten. Also, wir sind zufrieden mit dem, was sich hier niederlässt, kann natürlich immer mehr werden. Aber wir haben auch erst angefangen mit den Umstrukturierungsmaßnahmen. Vielleicht kriegen wir ja so eine seltene Art wie die Zwergdommel, die ja bereits in Luxemburg brütet, hier hin, aber dafür muss mehr Schilf entstehen, Daumen drücken.“

Solche kleineren Erdbewegungen wie sie an den Dillinger Ökoseen vorgenommen werden, seien von Bedeutung, weil sie den Vögeln als sogenannte Trittsteine dienten, sagt der Präsident der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, Franz Bairlein. Das heißt diese Biotope sind zwar nicht groß genug, um einer Population über längere Zeit das Überleben zu sichern, aber sie reichen aus, um den notwendigen genetischen Austausch zu gewährleisten. Dass sich die Bestände an Wasservögeln in den vergangen Jahren deutlich erholt hätten, hinge eindeutig mit diesem lokalen Wirken zusammen. Trotzdem fordert Baierlein, die Anstrengungen auf kommunaler Ebene zu bündeln.

„Legt Flächen überkommunal zusammen, sodass man größere Maßnahmen vernünftiger machen kann, auch nachhaltiger machen kann als kleiner Maßnahmen, die immer einen höheren Pflegeaufwand bedeuten.“

Drastisch verschlechtert hat sich hingegen die Lebenssituation für Vögel, die auf landwirtschaftlichen Flächen siedeln, sogenannte Agrarvögel. Dazu zählen zum Beispiel die Feldlerche, das Rebhuhn, die Wachtel oder auch die Goldammer. Ihre Bestände nähmen rapide ab, sagt Martin Flade, Mitglied der Kommission Agrarvögel.

„Die haben keine Räume mehr, wo sie genug Nahrung finden, wo sie erfolgreich brüten können. Es gibt seit 2007 überhaupt keine Art mehr, die ihren Bestand noch halten kann in der Agrarlandschaft.“ Verantwortlich für diese Entwicklung sei die europäische Agrarpolitik, die immer intensivere Nutzung des Bodens durch den Anbau von Energiepflanzen wie etwa Mais und die Aufkündigung des Flächenstillegungsprogrammes der EU. Das Programm hatte den Landwirten bis 2007 Ausgleichzahlungen gewährt, wenn sie Flächen brach liegen ließen. Leider, so Flade, werde auch die geplante Agrarreform, die ab 2014 für die europäischen Bauern neue Regeln schafft, den bedrohten Feldvögeln nicht helfen.

Zwar sei vorgesehen, dass sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der EU als
ökologische Vorrangflächen ausgewiesen werden müssten, aber noch sei nicht definiert, wie stark die landwirtschaftliche Nutzung dieser Vorrangflächen tatsächlich eingeschränkt werde. Selbst wenn die EU weitreichende Nutzungsbeschränkungen erlasse, könne sich der Bestand an Agrarvögeln kaum mehr erholen, so Flade.

„Weil wir aus unseren Daten gesehen haben, dass wir erstens mindestens zehn Prozent Brachfläche brauchen in der Agrarlandschaft und zweitens auch diesen Maiszuwachs kompensieren müssen. Das heißt:  Selbst mit den sieben Prozent kann es nicht funktionieren.“
Den Klimawandel so der Ornithologe verkrafteten die Vögel – momentan zumindest – problemlos, nur die aktuell ergriffenen Maßnahmen, dem Klimawandel entgegen zu wirken, hätten für die Vielfalt der heimischen Agrarvögel verheerende Folgen.

© 2012 Deutschlandradio

Biogasanlage = kaputte Straßen

Die Beschwerden und Proteste gegen Biogasanlagen sind vielfältig. Jetzt ist es gar ein Thema für den Automobilclub ACE.

Unten steht eine Telefonnummer, bei der man sicher auch derartige Probleme in anderen Landkreisen melden kann.

Die Macht eines solchen Clubs sollte man ruhig für unser Anliegen nutzen. (Tom)

SZ: „Unsinn, der auf Feldern wächst“

Kommentar zu Biosprit aus SZ-Online, 12.09.2012

„Zum Ausstieg aus der Biokraftstoff-Förderung gibt es keine Alternativen. Biokraftstoffe verfehlen die in sie gesetzten Hoffnungen gleich in mehrfacher Hinsicht. Inzwischen steht fest: Kraftstoffe vom Acker schaden nicht nur Umwelt und Klima, sondern verschärfen auch den Hunger in der Welt. Und Deutschland ist mit seinem Biospritdurst ein Teil davon.“

„Als einen der wichtigsten Kritikpunkte führt die EU nun die verfehlten Klimaschutzziele an. Dass Pflanzen beim Anbau so viel Kohlendioxid aufnehmen, wie später beim Verbrennen freigesetzt wird, ist nur ein Teil der Rechnung. Düngen, ernten, transportieren und verarbeiten ruinieren die Klimabilanz gründlich.“

Zum Artikel.

Als pdf.

Nach Gerswalde: Weiter so!

Hallo Leser/in,

dies wird der vorerst letzte Eintrag sein, den ich hier unterbringe. Wer Interesse hat, den Blog weiterzuführen (und der wird in Zukunft noch oft gebraucht), möchte sich bitte melden unter : .

Das Treffen der Initiative zur Vorstellung der Ergebnisse der Wasserproben durch BUND und NABU am 17.8.2012 in Gerswalde war spannend, aufregend und lehrreich.  Und gleichzeitig frustrierend. Es hat offensichtlich nichts genützt, daß eine junge Frau, von der ich nur den Vornamen weiß, einen Bauernverbandsfunktionär darüber aufklären mußte, wie das mit der Fruchtfolge genau funktioniert. Daß ein älterer Herr schimpft und brüllt, daß man ihm die Straße vor der Haustür mittels schwerem Gerät zur Biogasgewinnung kaputt fährt, aber niemand für diese Schäden aufkommen will. Es sind eben nicht nur die üblichen Öko-Fritzen und Berliner Möchtegern-Uckermärker, die hier auf ein Problem in der modernen Landwirtschaft hinweisen. Und trotz zitierter Studien, Untersuchungen, TV-Beiträgen und vor allem persönlicher Erfahrungen einiger Anwesender hält man das alles für maßlos überzogen. Halbwissen, vorsätzliche Täuschung etc pp. Im Grunde könnte mir das ganze Gezeter mittlerweile egal sein, denn ich weiß, die Natur holt sich ihr Terrain sowieso in ein paar Tausend Jahren wieder. Und wenn noch soviel Glyphosat den Acker runterfließt. Aber so ganz egal ist es mir eben nicht. Dafür gibt es mittlerweile zu viele Schauergeschichten zum Thema. Immerhin: Die Überwachung der Gewässer soll von Seiten des LELF nun regelmäßig erfolgen. Das haben wir erreicht. Die Hoffnung: Daß ideologiefrei nach vernünftigen, umweltgerechten Lösungen gesucht wird. Bis dahin müssen wir wohl weiter streiten. (Tom)

Hier ist die Info zur Gefährlichkeit von Glyphosat, die auf der Veranstaltung in Gerswalde verteilt wurde.

Protokoll des Abends von Beate Blahy.

Fazit und offener Brief an den Kreisbauernverband Uckermark und den Landesbauernverband von Sybilla Keitel.

Artikel in der Märkischen Oderzeitung zu den Probenergebnissen und zu unserer Initiative.

Zeitungsartikel im Uckermark Kurier zum Treffen.

Leserbrief von Tom Schweers dazu.

Zeitungsartikel des UK zu Vorwürfen des Landesbauernverbandes gegen BUND und NABU wegen der Wasserproben

Fazit und offener Brief an den Kreisbauernverband Uckermark und den Landesbauernverband von Sybilla Keitel.

Pressemitteilung von BUND und NABU zu den besorgniserregenden Ergebnissen der Wasserbeprobung in der Uckermark

Die komplette Mitteilung als pdf.

Hier ein Auszug daraus:

16. August 2012

Kleingewässer in Brandenburg stark mit Pestiziden belastet

Die Landesverbände Brandenburg des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) und des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)
stellten heute alarmierende Ergebnisse der Belastung von
Kleingewässern mit Pestiziden vor. Gemeinsam mit der Bürgerinitiative
„Verseuchte Felder in der Uckermark“ hatten die Umweltverbände
insgesamt elf Wasserproben von Feldsöllen in den Landkreisen
Oder-Spree und Uckermark auf Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln
untersuchen lassen.

Nur bei drei Gewässerproben konnten keine Rückstände der untersuchten
chemischen Verbindungen nachgewiesen werden. In sechs Fällen wurden
sogar Überschreitungen der Grenzwerte der Grundwasserrichtlinie bei
den untersuchten Substanzen festgestellt. Die Naturschutzverbände
fordern, dass die Landwirtschaft dafür sorgt, dass keine
Pestizidrückstände in das Grund- und Oberflächenwasser gelangen.

Bei einem Feldsoll bei Stabeshöhe in der Uckermark wurde ein
Biozidgehalt als Summe der untersuchten Stoffe von knapp 2,5
Mikrogramm je Liter bei einem Grenzwert von 0,5 Mikrogramm je Liter
festgestellt. Dort wurde in den Jahren 2008 bis 2011 stets Mais
angebaut gefolgt von Roggen im Jahr 2012. Die Bürgerinitiative
„Verseuchte Felder in der Uckermark“ hatte dieses Kleingewässer
bereits auf im vergangenen Jahr untersuchen lassen und Strafanzeige
wegen der erheblichen Grenzwertüberschreitungen gestellt. Am stärksten
waren die Grenzwertüberschreitungen bei AMPA, dem Hauptmetaboliten des
Breitbandherbizids Glyphosat. Hier wurden in Stabeshöhe das 19-fache,
in einem Kleingewässer zwischen Rosenow und Hardenbeck in der
Uckermark das 15-fache und im Rehpfuhl bei Fürstenwalde (Oder-Spree)
das 14-fache des Grenzwertes festgestellt.

Bioenergie am Ende?

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat die Entwicklung der Energiegewinnung durch landwirtschaftliche Methoden untersucht und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis.

„Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien wie Photovoltaik, Solarthermie und Windenergie sei Bioenergie häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden.“, so zitiert die Hannoversche Allgemeine Zeitung die Studie.

Zur Internetseite der Leopoldina.

Verschiedene Zeitungsartikel mit Zusammenfassungen zur Studie hier:

HAZ: Kritik von Biokraftstoffindustrie – Nationalakademie hält nicht viel von Bioenergie

Zur Internetseite.   Als pdf.

Die ZEIT: Energiewende – Stoppt den Bio-Wahnsinn

Zur Internetseite.   Als pdf.

Süddeutsche Zeitung: Bioenergie Schluss mit Biogas und Holzpellets

Zur Internetseite.   Als pdf.

Harald Ebner, MdB (Bündnis 90/Die Grünen): „Die Bundesregierung … lässt Imker im Regen stehen.“

Hier die Original-Presseerklärung:

Pressemitteilung von Harald Ebner, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) vom 13.07.2012
—————————————————————————–

Bundesregierung ignoriert Gefahren von Pestiziden für Bienen

Berlin, 13.07.2012: Zur Beantwortung der Kleinen Anfrage „Neue Erkenntnisse zu und Neubewertung von Gefahren durch Neonicotinoide und weitere Pestizide für Bienen und andere Insekten“ der grünen Bundestagsfraktion erklärt Harald Ebner, Sprecher für Agrogentechnik:

Das mangelhafte Problembewusstein der Bundesregierung ist erschreckend. Bienen werden regelmäßig gefährlichen Pestiziden ausgesetzt, um z. B. Rapsfelder vor Pilzerkrankungen zu schützen. Das ist für die Bundesregierung nach eigener Aussage eine „unvermeidbare“ Konsequenz. Pflanzenschutzmittel können so zum normalen Bestandteil von Rapshonig werden. Mit dieser Laissez-faire-Haltung setzt Schwarz-Gelb den deutschen Honig als sauberes Naturprodukt unnötig aufs Spiel.

Mangelhafte Daten und Forschungslücken zu Gefahren durch Neonicotinoide sind für die Bundesregierung kein Anlass, Informationsdefizite anzugehen. Ihr Motto ist offenbar: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“ Leider wurden in den letzten zehn Jahren 500 mal mehr Steuergelder aus dem Bundeshaushalt für die Agrogentechnik ausgegeben als für den Bienenschutz.

Die Bundesregierung setzt Bienen unnötigen Risiken durch Neonicotinoide aus und lässt Imker im Regen stehen. Weder existieren umfassende Schutzmaßnahmen oder Monitorings, noch werden die Imker ausreichend über den Einsatz von bienengefährlichen Pestiziden informiert. Und statt wie in Frankreich giftige Rapsbeizmittel zu verbieten, lässt Aigner seit Jahren Ausnahmegenehmigungen für Neonicotinoide zu.

Unbequeme Forschungsergebnisse hört und liest die Bundesregierung ungern. Anstatt sich mit kritischen Studien auseinanderzusetzen, wischt sie deren Ergebnisse mit nicht nachvollziehbaren Vorwürfen wie methodische Mängel vom Tisch. Gleichzeitig stört es die Bundesregierung aber nicht, wenn  Pestizidhersteller an öffentlichen Forschungsprojekten beteiligt sind.

Pestizidbelastungen, insbesondere durch Neonicotinoide, sind Alarmzeichen, die uns nachdenklich machen müssen. Mit ihrer jetzt erneut bestätigten Ignoranz gegenüber möglichen Risiken von Pestiziden setzt die Bundesregierung in verantwortungsloser Weise die biologische Vielfalt und die Existenz von Hobby- und Berufsimkern aufs Spiel. Nur eine bienenfreundliche Landwirtschaft ist letztlich auch eine menschenfreundliche Landwirtschaft.

Hintergrund: Neonicotinoide sind eine Gruppe hochwirksamer neurotoxischer Pestizide, die seit zwei Jahrzehnten zunehmend in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Die besondere Gefährdung von Bienen durch diese Pestizide wurde im Jahr 2008 im Zusammenhang mit dem Bienensterben in der Oberrheinebene deutlich, bei dem zehntausende Bienenvölker durch Abriebstaub von (mit Clothianidin) gebeiztem Maissaatgut vergiftet wurden.

Die vielfältigen toxischen Auswirkungen von Neonicotinoiden auf Bienen und andere Insekten sind mittlerweile durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Auch geringe Giftmengen unterhalb der tödlichen Vergiftungsdosis können für Insekten fatale Auswirkungen haben. Besonders besorgniserregend sind Studien, wonach die Wirkung von Neonicotinoide irreversibel ist und damit über längere Zeiträume im Ausmaß kumuliert, was auch bei geringen Einzeldosen mittelfristig zu schweren chronischen Vergiftungen bei Insekten führen kann.

Die Antworten auf die Kleine Anfrage zu den Gefahren von Neonicotinoiden für Bienen können Sie hier herunterladen http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/102/1710218.pdf. Eine ausführliche Bewertung der Antworten finden Sie auf folgender Seite http://harald-ebner.de/userspace/BV/harald_ebner/Dokumente/Bewertung_KA_Neonicotinoide.pdf

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Sönke Guttenberg
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Büro Harald Ebner, MdB
Sprecher für Agrogentechnik
Fraktion BÜNDNIS 90/Die Grünen
http://www.harald-ebner.de

„Gold und Rohstoff Report“: Wild- und Blühpflanzen werden Mais zurückdrängen

Interessante Analyse der Netzzeitung Gold und Rohstoff Report: In den USA wird aufgrund steigender Hitze und damit verbundener Ernteausfälle der Mais knapp und langfristig teurer während in Europa nach exzessivem Maisanbau mit den damit verbunden Schäden in der Natur vermehrt auf Wild- und Blühpflanzen als Energielieferant gesetzt wird.

Der komplette Artikel als pdf.